Interview in der “La Sicilia” über mein Leben, meine Arbeit

Interview "La Sicilia". Insegno la Poesia della Sicilia

Insegno la Poesia della Sicilia, Interview in der “La Sicilia” vom 21.11.22 (Link)

Am 19.11.2022 führt die Journalistin der Tageszeitung “La Sicilia”, Carmen Greco, ein Interview mit mir über mein Leben in Sizilien und vor allem zu meiner poetischen Arbeit auf der Insel. Den Titel ” Insegno la Poesie della Sicilia” kann man übersetzen mit:

“Ich vermittle die Poesie Siziliens”

Ich erzähle von meinem persönlichen Lebenswandel, vom Ankommen auf der Insel und wie das Schöpferische in mich geflossen ist, wie die Elemente mich geküsst haben, die Poesien zu mir kamen. Ich erzähle von meinen poetischen Schreibreisen, die keine touristische Unternehmungen sind, sondern Annäherungen an die Poesie der Insel und Inspirationen auf dem eigenen schöpferischen Wandlungsweg … Ist Sizilien ein Paradies für mich?, so fragt mich Carmen. Ich erzähle von Licht und Schatten und von meiner Zuversicht in eine gemeinsame schöpferische Wandlung, jenseits von Trennung; erzähle vom Verlust des Paradieses und der Möglichkeit, es wieder zu finden: in der großen Anbindung an die Liebe; im Verenden von Intellekt und Herz, in der Wende von der menschlichen Arroganz zur Demut. Ein Gedicht, das ich Salvatore Quasimodo gewidmet, ist poetischer Ausdruck dieser Hoffnung. Sarina Reina hat es übersetzt. Hier in deutscher Version: … vielleicht bleibt das Herz, das Herz …
Ich spreche ebenfalls über meine große Dankbarkeit und die Gnade, auf Sizilien leben zu können, über meine Freundschaft zu lieben Menschen.

Ich freue mich!, Berlin am 23.11.2022

Insegno la Poesia della Sicilia, Interview in der “La Sicilia” (Link)

Glückseligkeit 🦋

Glückseligkeit

Ein Tag voller Glück
Der Wind weht es mir zu
Leicht mit dem Flügelschlag des weißen Reihers
Schwebe ich im klaren Licht
Weit und offen wie der Himmel
Sanft und wahr im Leben.

© 16.7.2022, Foce del rive di Simeto, Sicilia

Unerschöpflich schönes Leben – Lebenskraft fühlen!

Heute veröffentliche ich ein Gedicht, das mich erreichte und mich ganz durchströmte wie eine weite, kraftvolle Energie. Ich fühlte vertrauensvoll das unerschöpflich schöne Leben mit seinen so starken Lebenskräften. Ich schrieb im September 2021:

AN DEN ALTEN WURZELN DER ZEIT …

An den alten Wurzeln der Zeit ruht der Schatz
im Reich der Dunkelheit

Wo Trolle wachen über das goldene Ei der Wunder
die ewige Quelle des Lichts

Wo kraftvoll fließen die unendlich blauen Ströme

Unerschöpflich
Schönes Leben

© Heidrun Adriana Bomke ・www.heidrunbomke.de

26.2.22

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Eine große kraftvolle Vision

Schreibspaziergang,Sacrow

Meine lieben Leserinnen und meine lieben Leser,

Zeit ist vergangen seit meinem letzten Beitrag. Mir kommt es oft vor wie eine Zwischenzeit, in der ich mich befinde. Und manchmal zwicke ich mich selbst. Immer wieder bin ich verwundert – zutiefst irritiert auch, in welcher Zeit ich derzeit lebe. Was ich erlebe. …

Ein solch tiefer Wandel! Noch einmal und diesmal unendlich tief.

Viel inneres Erleben. Und immer wieder das tiefe Gefühl von Liebe und Verbundenheit und Dankbarkeit zu leben!

Und zwischendurch war ich am sizilianischen Meer, im Oktober  – eine Schreibreise. Auch darüber werde ich noch schreiben …

Und als ich dort stand, am Meer von Punta Secca, und lange in den Horizont schaute, da hatte ich plötzlich

Eine große kraftvolle Vision:

Ich sah einen langen, langen, sehr langen Regen. Alles war grau. Der Himmel stürzte ein unaufhaltsames graues Wasser über uns aus. Vor meinem inneren Auge floss es aus allen Schleusen. Und ich wusste, dass es so sein sollte, so kommen musste. Es fühlte sich wahr an. (Zwei Tage später begann es auf Sizilien wirklich stark zu regnen …) Und dann hörte es irgendwann auf in meinem inneren Bild. Der Regen hörte auf. Die Sintflut endete. Wie sie eben endet , wenn dieser Zyklus vorbei …

Und ich sah danach in ein leuchtendes Grün!

Ein Grün, wie ich es nie gesehen hatte! Ein Grün, das von Licht durchflutet. Bambus auch und viele Gewächse von einer einzigartigen grünen Kostbarkeit! Und auch dies ist wahr. Ich weiß, dass es kommt, das klare Licht der Liebe! Ich kann es sehen, auch wenn im Alltäglichen das kraftvolle Bild etwas verblasst. Es ist diese tiefe, aus dem Herzen steigende Energie und Hoffnung. Das klare Licht des Neuen. Urvertrauen.
Ja, ES keimt und kommt, wenn alles weggeflossen, gereinigt.

Es ist schon da. Es kommt, wenn wir es sehen, rufen, zulassen, ihm die Hand reichen:

Das Grün des neuen Lebens!  

Diese Vision möchte ich heute Abend, am 2. Dezember 2021, endlich mit Euch teilen und Euch ermutigen, an das Leben mit all seiner Schönheit und immer wirkenden Liebe, an der wir Menschen teilhaben können und sollen, zu glauben!

Sehr von Herzen und in Verbundenheit,
Heidrun Adriana Bomke, 2.12.2021, Berlin

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Von der wilden Freude

Heidrun Adriana Bomke,Poesie des Lebens

Von der wilden Freude

Wie ich hier so sitze, an diesem schönen Maientag, kommt mir in den Sinn, dass ich schon immer Freude gesucht habe. Immer, das meint schon in meiner frühen Kindheit, soweit ich mich überhaupt zurücktasten kann in meiner Erinnerung. Und es war mir wohl nicht immer leicht mich freuen zu können. Obwohl es doch lebensimmanent ist, weil Leben doch Lebendigkeit und Freude am Dasein ist. Und gerade für Kinder! Am eigenen Dasein, an der eigenen weiten Beweglichkeit. Und ich meine das Wort wirklich wortwörtlich. Die eigenen Schritte, das eigene Hinausgehen, das Hüpfen und Springen und Tanzen und Singen und Jubeln über das schöne Leben! Ich hatte dieses Bedürfnis immer! ich fand sehr viel, was ich um mich herum sah, sehr schön. Vor allem erinnere ich die Schmetterlinge, Hunde, Bäume, die Murmeln, Seifenblasen, die bunten Bänder … Doch gelebt habe ich nicht immer Freude. Konnte ich nicht immer, war wohl nicht mutig genug. Das ist meine Lebensreise. Das sind meine Wandlungen. Zur Freude hin! Zur wilden, ungestümen Freude hin!

Wie komme ich gerade jetzt zu dieser Erkenntnis, die mir essentiell erscheint?

Ich sitze neben meiner Mutter. Ich sitze da, wo ich geboren. Ich spüre, sitze ich da länger, den Druck der ewigen Trauer. Den Druck der Pflicht zum schweren Leben. Den Druck der Enge. Als sei man zum Leiden verpflichtet. Den Druck einer Peinlichkeit und Scham, die ich bis heute nicht verstehe. Den Druck des Artigseins. Den Druck des Nicht-Verstandenwerdens. Der schmilzt in der Sonne dahin. Ich bin fremd im eigenen Land und doch bin ich zu Hause. Das auch. Denn nun bin ich erwachsen und kann dieses andere Leben einordnen. Als Kind konnte ich das nicht und hatte nur einen Wunsch: Mögen wir doch alle fröhlich sein! So fröhlich wie die Bartnelken un ddie Lupinen, so röhlich wie die Linde und die Birken … der Wunsch eines Mädchens.

Es ist wie eine Wand. Es ist eine Wand.

Da wird mir klar, dass diese Wand zwar Löcher bekommen hat. Dass sie von vielen Emotionen und Empathien durchlöchert ist. Dass sie auch von Wärme geschmolzen und von wahrhaft gemeinsamem Erleben erweicht. Wie schön!
Und doch ist es noch eine spürbare Wand. Wie ich hier sitze, baut sie sich auf. Ich spüre es im Herzen. Und ich möchte sie niederreißen. Und begreife:

Es ist nicht meine Wand. Nicht meine Mauer.

Oder irre ich da? Denn um mich her gibt es viel von dieser Schwere, die aus Trauer und einem ganz rationalen Sein kommt. Von Trennung.
Ich kann hier sein. Ich kann üben, immer wieder üben, in Liebe, also unvoreingenommen und wahrhaftig zu sein. Doch für die Mauern anderer bin ich nicht zuständig. Diese Erkenntnis erscheint mir gerade fundamental. Denn es hat mit den eigenen Grenzen zu tun, die es zu schützen gilt. Stop, sagt mein Herz. Man sagt das immer so hopplahopp dahin: “Ich kann andere nicht ändern, nur mich selbst.”
Doch wie tut man das wirklich? Wie viel Mut, wie viel Klarheit, wie viel Liebe zu sich selbst gehören dazu?
Da komme ich nochmal zu meiner Kindheit und sehe all die Ereignisse vor mir … Sie ziehen vorbei … denn sie sind vorbei. Und so viel Begeisterung steigt in meine Seele ein. Sie darf sein! Ja, das Wilde in mir, das Sich-Begeisternde, das Abenteuerliche, der Schmetterling der Wandlungskraft!

Heidrun Adriana Bomke
Zwischen Vollmond und Sonnenaufgang ging ich am Meer in Punta Secca am 14.10.2019. Ein magischer Morgen.

Ich bin frei

Und das heißt, ich bin frei, ohne Mauer zu leben und Liebe zu geben und zu empfangen. Die Welt um mich herum ist voller Liebe. Ich spüre es in jeder Faser meines Leibs. Und spüre auch das andere, die materielle, laute, unmenschlich abgetrennte Welt.
Wie gut, dass ich dem Licht folge und davon nicht mehr weichen werde, auch wenn Mauern und Schwere einem Widerstand gleichen. Sie mir und damit allem zu geben, diese vorhandene, tief empfundene Liebe. Und hinauszugehen in die Glückseligkeit eines Schmetterlings. Ich denke an Rilke, hole mein Büchlein: “Wer in seinem eigenen Dasein sich größer, freier und menschlicher macht, der tut das Seinige zum Frieden”. So soll es sein.

Heidrun Adriana Bomke · 19. Mai 2020

Sonnenaufgang in Punta Secca – Vom Staunen

Sonnenaufgang in Punta Secca

Sonnenaufgang in Punta Secca

Ich war früh wach und gehe um 6.50 Uhr meinen kurzen Weg zum Meer. Drei MInuten zu Fuß.
Ein schmaler Pfad zwischen einer Sommer-Bretter-Bar, die jetzt verlassen und vor mir der Blick.

Immer ein Tor in die Weite — der Meerblick!

An diesem Vollmond-Dienstag des 19.2.19 besonders. Das Meer ist ein bisschen wie das Frühsommermeer – sanft, genügsam. So einladend gelassen. ich mag diese milde Sanftheit, die gar nichts möchte. Sie ist einfach nur da. Der Sand-Strand ist breiter. ich kann gut gehen. Zm Vollmond zieht sich das Meer zurück. Die beiden Wochen vorher waren stürmisch, wunderbar wild. Oft bekam ich etwas nasse Füße und musste spurten. Doch nun gehe ich zu den großen Steinen. Sehe die Flechten, das Meeresmoos, die Algen …

Sonnenaufgang in Caucana

Gerade beginnt der Sonnenaufgang!

Die Sonne steigt aus dem Meer, kommt von der Südostküste her. Marina di Ragusa, Pozzallo, Isola delle corrente … – ich bleibe stehen. Ich erlebe ein Déjà vu! Erinnere mich an den Sonnenaufgang in Siracusa, vor sieben Jahren. Da stand ich auch so, sah der Sonne zu, dem Fischerboot, das früh auf dem Meer war und in mir schrieb sich das Gedicht:

“Jetzt weiß ich, wo das Licht wohnt!”

Und wieder staune ich und schaue dem Morgenwunder des Meereslichtes zu. Es sind wenige Minuten, die mein Herz ganz öffnen und mich weiten!

Dieses Schauen und Staunen voller Poesie gehört zu meinem Alltag.

So breitet sich in mir die große Liebe zum Leben immer wieder aus: ruhig, weit, einfach. Ein unschätzbarer Wert. Ich begegne noch Peppe, dem kleinen jungen Mann, der gerade ein altes Holzboot zu Wasser lässt.

Mache ein Foto vom “piccolo pescatore”. Setze meinen Morgenweg am Strand entlang nach Punta Secca fort. Begegne dem Silberreiher, diesem leichten Geschöpf und sehe ihn vor mir, den wegweisenden Leuchtturmriesen. Punta SeccaIch bin sehr dankbar und gehe an meinen Scheibplatz zurück.

Gefüllt mit Licht, Sanftheit und Weite.

Reiher im sanften Morgen
Punta Secca
Morgenmeer

Erleben auch Sie dieses Wunder – Sizilien und sich selbst entdecken — die eigenen Worte wecken!

Herzlich,

Heidrun Adriana BomkeHeidrun Adriana Bomke

Wintermeer in Punta Secca/Sizilien

Wintermeer Punta Secca

Wintermeer in Punta Secca

Ich bin berührt vom Wintermeer, vom Meer im Winter. Nein, ich bin überwältigt, das ist das rechte Wort. Ich stehe und staune, denn es hat eine weite universale Kraft und Verbindung. Es weitet mich in die Freiheit hin – unter den freien Himmel in mir! So schrieb ich ein Gedicht mit dem Titel “Von weit”.

Von weit

höre ich die rauschenden Tiefen des Meeres
sie klopfen an meinen Schlaf:
Wach auf, steh auf!
Komm!
Und ich gehe ruhigen Schrittes hinaus
an das überspülte Ufer

Nur Meer und Himmel
Himmel und Meer.

Von weit  
schon hüpfen deine Wellentöchter reiten
schaumgeboren im brodelnden Kessel
rollen heran ans Ufer zu frohlocken im Sprung!

In mir eine smaragdgrüne Sehnsucht einfach so zu bleiben
mit dir Meer mit dir Wintermeer
Nur mit dir.

© Heidrun Adriana Bomke

Ich begleite Sie, begleite dich am Meer von Punta Secca vom 23.2.-2.3.19: Schreibreise ans Meer!

Gerne nachfragen und anmelden. Es gibt noch zwei freie Plätze!

Punta Secca
Wintermeer
Wintermeer Punta Secca
Punta Secca

Heiliges – mein Weihnachtsgedicht für alle Menschen

Heiliges - Schreibritual im Gesundheitsforum Havelhöhe

“Heiliges” – ein Weihnachtsgedicht von Heidrun Adriana Bomke

Liebe Menschen,

mit meinem Weihnachtsgedicht wünsche ich euch und Ihnen allen Frieden im Herzen, Geborgenheit und dass alle spüren, dass wir in Liebe sein können. Ja, es kann in unsere Herzen Ruhe und Besinnung einkehren, die einfache Freude am Leben, an der Freiheit des eigenen Seins und am Miteinander.

Auch wenn man manchmal alleine ist, so wie ich gerade an der Südküste Siziliens, kann man die große lebendige und oft so tiefe stille Kraft der Liebe und der Verbundenheit spüren. Ich schaue gerade in den Himmel, zum Leuchtturm, der ab 17 Uhr seine Lichtsignale weit über das Meer sendet: Hier ist Land, hier sind Menschen, hier kann man sein. Und dieses Gefühl, dass ich Teil eines so großen Ganzen bin, es macht einfach geborgen, es erfüllt mich mit Freude und Lebensliebe.

Langsam neigt sich der Tag und bald kommen der Mond und die Sterne.

Ich wünsche allen eine heilige Zeit und dass das Licht in jedem Herzen leuchten mag.

Heidrun Adriana Bomke · Poetin · 23.12.2018Poesie des Lebens-Lebendig schreiben

Weihnachtslichter
Weihnachtslichter

 

“Die beste Art zu schreiben ist mit den ureigenen Worten und diese fließen unmittelbar aus dem Herzen in die Hand.”

Herbstzeitlosen — Hilde Domin und ich

Herbstzeitlosen am Ätna

Herbstzeitlosen — Hilde Domin und ich

Hilde Domin (1909-2006) ist mir eine poetische Vorgängerin. Eine Ermutigerin. Nie habe ich sie getroffen – es wäre ja möglich gewesen. Erst um das Jahr 2004 nahm ich ihre so tiefen anderen sinnlichen Liebes- und Naturgedichte genau wahr. Und ihre Auffassungen von Poesie, die sie als magische Gebrauchsartikel bezeichnet. Ihre Poetologie ist mir nahe. Dass sie als Dichterin noch einmal neu geboren! “Mein 1. Gedicht, das war schon mein Leben”, so schreibt sie. Und sie kam mir sehr nahe. Mit ihren Gedichten. Und ich ihr. In meinen Träumen begegnete sie mir mehrfach. Ich kreierte sogar 2009 ein literarisch-musikalisches Programm für sie gemeinsam mit der Akkordeonspielerin Britta Stützer, das wir vielfach bis 2012 mit Begeisterung und viel Erfolg draußen und drinnen aufführten:

DAS ZWEITE PARADIES

Hilde DominHilde DominHilde DominZahllose Bilder berühren mein Herz. Einige davon nahm ich in eigenen Gedichten als Motiv auf. Die “Herbstzeitlosen”, “Worte sind reife Granatäpfel”, “das Klicken des Riegels, der die Stalltür leise schließt” … Es ist wundersam, wie Worte durch die Seelen ziehen … wie wir scheinbar Lebensthemen haben, die ähnlich, obwohl die konkreten Leben ganz anders.
Heute, wo der Herbst so spürbar und die Herbstzeitlosen ihre Köpfe neigen, da denke ich wieder an sie. Lese meinen Traum, den ich hier noch einmal zitiere aus:

“Neumond in Syrakus. Reisetagebuch, 2015”

5. zum 6. April 2011, erste Nacht am Vulkan

Nächtliche Begegnung mit Hilde Domin

Hilde Domin begegnete mir heute im Traum. Die Dichterin, die mich seit Jahren berührt mit ihren Worten. Eine Vorgängerin. Ich trat seit drei Jahren erfolgreich mit einem poetischen Programm auf, begleitet von einer Musikerin: „Das zweite Paradies.“
Letztendlich war es ihr Lebensentwurf, ihre Lebensrettung durch das eigene Schreiben, die mich genauer schauen ließen. Sie lebte an der Seite eines Mannes, dem sie jahrelang diente. Sie, eine so talentierte und für ihre Zeit äußerst fortschrittliche Frau, unterwarf sich einem Mann, legte ihm gar ihr Leben zu Füßen: „ … wenn du nur willst!“ Faszinierend leichte Liebesgedichte! Ihre Ermutigung: „Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten“. Da sprach mich wohl ihre Seele an in diesen Liebesgedichten und den archaisch alltäglichen Bildern vom „Ziehenden Landschaften“.

Die Dichterin gab mir heute Nacht ein Zeichen. Spazierte in meinen Traum. Kam lächelnd direkt auf mich zu nach einer Lesung. Ich hatte keine Lust auf diese Lesung. Machte sie aber doch, artig wie ich war. Die Menschen waren zufrieden. Klatschten. Freuten sich. Ein Herr gab mir einen Strauß.

Dann kam sie. Tänzelnd. Und lachte mich an!

Sagte sie etwas? Das weiß ich nicht. In meinem Gefühl gab sie mir die Ermutigung, meinen eigenen poetischen Weg zu gehen. Was man in der ersten Nacht träumt …

Ja, und dann schrieb ich im Herbst 2011 in den Wiesen am Ätna Süd, am Vulkan, das gedicht von den

“Herbstzeitlosen am Ätna”
Mit einem Motiv von Hilde Domin

Jetzt

wo die Herbstzeitlosen aufstehen

in den müden Gräsern des Sommers

Jetzt seh ich dein Gesicht

Seh dein Lachen zwischen den blauen Trauben

Jetzt

wo auch hier die Hagebutten rot am Strauch

und die braunen Maroni warten auf das Feuer

Jetzt

wo die Herbstzeitlosen ihr lila Haupt langsam neigen

Schau auch ich demütig in den Spiegel

Jetzt ist es Zeit

Dass ich um die Ankunft weiß.

Das Gedicht spricht vom Ankommen.

Wo? Was meinen Sie? Schauen auch Sie manchmal in den Spiegel und fragen sich danach? Gerade jetzt im Herbst? “Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr …”, so schrieb Rilke melancholisch.

Eine Schreib-Anregung für Sie und dich:

Schauen Sie auf den bunten Blätterfall. Vielleicht machen Sie einen raschelnden Spaziergang. Nehmen Sie sich dann ein bisschen Zeit, so eine kleine stille halbe Stunde. Einfach ein leeres weißes Blatt. Und dann schreiben Sie einfach los:

Mein Ankommen (?)

Ich erinnere an mein Schreibmotto:

Die beste Art zu schreiben ist mit den ureigenen Worten und diese fließen unmittelbar aus dem Herzen in die Hand.

Viel Schreibfreude! Und schaut doch mal bei meinen Fernschreibkursen vorbei – Anregungen gibt es genug – vielleicht auch für ein Geschenk!

Aus dem Blätterwirbel grüßt poetisch

Heidrun Adriana Bomke · Poesie des Lebens-Lebendig schreiben

Ein Kleidchen, ein Höschen — Eine Sommergeschichte

Sommergeschichte

Ein Kleidchen ein Höschen … – Eine Sommergeschichte

Adriana stand im weißen Sand und lachte.

Sie lachte über die ganze südliche Küste hinweg. Sie lachte so hell, dass der alte Sizilianer sich umdrehte. Er stand schon bis zur Brust im Meer. Jeden Tag ging er durch das flache Wasser bis zur Tiefe hin. Da, wo das Meer ganz blau wurde oder türkis ohne braunen Grund. Er schwamm. Kehrte dann langsam zurück. Ging nass davon. Nur mit einer blauen Badehose bekleidet. Sein Fleisch hing schon etwas müde herab. Die Brust war weiß behaart. Er war mager für einen von hier. Unter dem Arm trug er so etwas wie ein Schlauchboot. Jeden Tag.

Adrianas Lachen ließ ihn heute Mittag innehalten. Er winkte ihr zu und tauchte ins Wasser ein. Fresco oggi, hörte die Frau ihn sagen. Sie hüpfte im flachen Sonnenwasser herum und lachte. Ihr war soeben aufgegangen, wie schön doch ihr Leben ist! Als sie sich umgedreht hatte zum kleinen Ort, zum Leuchtturm. Sie sah ihr altes Rad an der weißen Kalksteinmauer lehnen. Darauf der kleine Rucksack mit ihrem Computer. Darauf noch die schönen Riemchensandalen. Das bunte Kleidchen mit Ausschnitt. Sie hatte es vor zwei oder drei Jahren in Vittoria gekauft. Immer trug sie die neuen Kleider dann tagein tagaus. Bis sie irgendwann zerfielen. Unter dem einfachen blau-rosa Kleid lag der weiße Spitzenslip.

Adriana betrachtete dieses Stillleben mit Fahrrad und fühlte plötzlich, dass sie hier angekommen ist. Solch eine Freude stieg in ihr hoch! Sie schloss die Augen. Da sah sie ein spielendes Mädchen mit leichtem Kleidchen und Rüschenschlüpfer darunter. Einen kleinen Sonnenhut hatte die Kleine auf dem Kopf. Später war das Hütlein groß und glockig geworden. Mit 15 Jahren hörte sie die Wellen des Schwarzen Meer. War so herrlich braun und schwamm schwamm schwamm.

Wärme stieg in ihr hoch. Sie kam von damals und vermischte sich mit der heißen sizilianischen Sonne. Es war Mai. Genauer: Es war der 18. Mai. Sie war angekommen. Es gab keine Zweifel mehr. Nein, sie hatte auch keine. Noch nicht einmal einen klitzekleinen.

Sie war angekommen im langen Sommer ihres Lebens.

Punta SeccaText und Fotos: Heidrun Adriana Bomke