Im Bordrestaurant des ICE

Heidrun Adriana Bomke

Nichts war mir in diesem Moment dringlicher, als in Ruhe im Bordrestaurant zu sitzen, etwas Kleines zu essen und zu trinken und aus dem Fenster zu schauen. Ich positionierte mich im Abschnitt C auf dem Bahnsteig in Eisenach und fand den letzten freien Tisch im Bordbistro des ICE nach Berlin.
Plums, ich ließ mich fallen. Rucksack unter den Tisch. Der charmante Herr am Nachbartisch lächelte mir zu. Meine blaue Jacke hängte ich noch an den Haken, suchte ein benutzbares WC und saß dann einfach so da. “Ich möchte einfach nur hier sitzen”. Der Satz von Loriot klang wieder einmal tief in in mir.

Zunächst kam der Kellner.

Ich besah das moderne Tischlämpchen, das ich als solches gar nicht identifiziert, käme nicht der Lichtschein heraus. Ach wie waren sie einmal schön, diese Plüschspeisewagen mit richtigen Tischlämpchen! Ich liebe alte Speisewagen, mit denen man durch Jahrhunderte fuhr. Sie sterben aus. Die Kellner auch. Ich blätterte in der Speisekarte. Erbsencremesuppe, oh ja. Nein, die haben wir heute nicht. Auch nicht die Tomatencremesuppe … Haben Sie Pommes? Ja. Dann die. Mit Majo. Va bene.

Der Zug fuhr langsam Richtung Erfurt.

Die Pommes standen vor mir.
Ein älterer Herr mit Anzug und eine Dame in der Nationalfarbe der Deutschen  – schwarz – auch.
Dürfen wir uns zu Ihnen setzen? Jaja.
Wer sagt auch Nein in einem solchen Moment?
Ich nicht und ich sollte meine Unaufrichtigkeit bereuen.
“Ach schau mal, die Drei Gleichen! … Weißt du noch … und ja dahinten, das ist doch die höchste Erhebung im Thüringer Wald, Insel oder so heißt das?
Ich sagte: Inselsberg.

Die Frau gehörte zur Gruppe der Vielredner, die unentwegt und ohne Luft zu holen reden.

Meine Oma pflegte zu sagen, dass man bei solchen Menschen den Mund extra zu Grabe tragen müsse. Sie sagte es nur noch deutlicher … und es wäre durchaus angebracht! Denn nun wechselte die Landschaftsbetrachtung zur Lebensbetrachtung. Und wie …

Das rechnet sich doch nicht!

Das ist nichts wert. Du musst das ausrechnen! Wenn ich noch 30 Jahre lebe, dann muss ich rechnen, wie lange meine Ersparnisse reichen. Genau so musst du es machen! Wenn ich bis 70 arbeite, habe ich eine Rente von 2100 €. Da komme ich hin. … Ja, dann kommt auch eine Terrasse ans Haus. Endlich!
Die Banken, neinnein, die sind ja nicht mehr verlässlich.
Doch der Baum, ja, der wächst ja zu hoch. Ich würde die Zeder kappen. Von oben nach unten.
Das ist doch aber meine CO2-Versorgung, wendet kurz der ältere Herr ein. Es geht ja um die Bio-Masse pro Jahr. Doch wenn der umfällt. Das ist so ein Ärger mit den Nachbarn. Die stören schon die Tannennadeln auf der Erde. Alles psycho. Und durch das Wurzelwerk geht es ins Fundament. …
Naja, du weißt ja, sie schläft nachts nicht und lässt immer das Licht an. Er kann es ab. Wie das?

Psychotische Verhältnisse!

In mir fängt es langsam an zu schreien. Schon länger wächst das Gefühl, dass es irgendwann an einer Stelle zu einem unkontrollierten Schrei kommt, aus meinem Mund. Ganz laut!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Wir fahren langsam auf Leipzig zu. Zwischendurch noch die Litannei von der Braunkohle und irgendwas …
Ich sage im Stillen und ganz klar zu dieser Person:
Am besten, Sie sterben früher und möglichst bald. Dann brauchen Sie kein Geld mehr und haben keine Sorgen mit der Rente und den Nachbarn und den Bäumen und den Häusern und Banken und den Erinnerungen auch nicht.
Ist nicht so einfach, sagt sie gerade.
Nein, sage ich. Aber es geht, glauben Sie mir!

In Leipzig setze ich mich einen Tisch weiter im Bordrestaurant des ICE.

Ich bestelle mir noch einen Brownie und einen Espresso macchiato und schaue die weitere Fahrt aus dem Fenster und manchmal flüchtig in das Buch vor mir, das ich liebe. Wenn ich überlege, welche drei Bücher ich für immer behalten würde, dann gehörte dieses dazu.
Dort las ich die Sätze: “Heidegger hat gesagt, die Menschen wohnen im Haus der Sprache und die Sprache ist das ‘Haus des Seins’. … In unseren Wörtern führen wir die Welt mit uns.”

Ich war sprachlos und lauschte in mich hinein.

Heidrun Adriana Bomke · 24.2.20

Ja, ich habe diesen Traum

Heidrun Adriana Bomke

Heidrun Adriana Bomke · Poesie des LebensJa, ich habe diesen Traum und ich träume ihn
mit offenen Augen.

Sie lächeln und sie weinen. Sie schauen ins Blau. In die hohen Spitzen der Bäume. In den Himmel. Schauen auf die Erde. Auf das grüne Gras. Auf die Enten, die da sitzen. Auf die Hunde, die hurtig vorbei flitzen. Sie schauen auf die weiße Möwe, die gerade über mir fliegt. Auf den bunten Schmetterling, der sich flügelleicht wiegt. Meine Augen. Sie schauen weit über das Meer, das am Horizont sich neigt.
Schauen dahin, wo alles sich zeigt.

Ja, ich habe diesen Traum und ich träume ihn mit offenen Augen.

Sie lächeln und sie weinen. Sie schauen zu den Kindern, die gar fröhlich toben. Sie freuen sich am Wind, am Duft der Morgenluft. An des Meeres hohen Wogen. Am Rauschen der Blätter, am Blütenduft. Sie lächeln und sie tanzen sogar. Sie leuchten manchmal gar wunderbar. Meine Augen. Sie senden einen Lebensgruß und geben manchmal ganz beiläufig einen Kuss: dem traurig schlurfenden Alten, der bitter enttäuschten schmallippiggrauen Frau, dem Straßenmusicus.
Meine Augen. Sie reinigen sich oft im Tränenfluss.

Sie finden auch dich und schauen dich an:

Kennst du sie, diese Sehnsucht, diese Lebendigkeit, diese Kraft, diese Liebe, die vom Herzen in die Augen steigt? Deiner Seele die Lebensfreude verleiht? Eine Sehnsucht,
die Dein Herz in wachsenden Ringen umkreist?

Ja, ich habe diesen Traum und ich träume ihn mit offenen Augen.

© Heidrun Adriana Bomke

Heidrun Adriana Bomke,Poesie des Lebens-Lebendig schreiben
Heidrun Adriana Bomke

Das Leben ist für mich …

Himmelskugel, Heidrun Adriana Bomke

Heidrun Adriana Bomke, nEUMOND IN sYRAKUSDas Leben ist für mich …

ein schöner blauer Wasserball

eine Himmelsschaukel im großen All

Das Leben ist für mich

ein leichter Flügel

ein pulsierend Licht

Das Leben ist für mich

eine Wunderkugel mit irdisch Gewicht.

© Heidrun Adriana Bomke · Und was ist es für Sie, das Leben?
Poesie des Lebens-Lebendig schreiben

blauer Ball - Kosmos, Heidrun Adriana Bomke
Himmelsschaukel
Das Licht, eingefangen mit der gedrehten kamera

 

Wie ich saß und weinte … ein Moment von größter Schönheit

Zyklopenküste in Aci Trezza, Heidrun adriana Bomke

Wie ich saß und weinte … ein Moment von größter Schönheit

Es war an einem Februarmorgen im Jahr 2011.
Vielleicht war es der 11. Ja, es könnte sein.

Am 8. Februar, drei Tage vorher, war ich in Dannenberg beim Notar gewesen. An einem nassgrauen Tag. Ein Haus zu verkaufen. Das Haus, in dem ich ein Familienleben verbracht. In dem ein Familienleben so, wie es einmal war, auch geendet. Die Zeiten wandeln sich. Die Menschen mit. Schulden werden getilgt sein. Verletzungen langsam heilen. Vergebung geschieht. Ich höre gerade noch einmal die Stimme des Notars, sehe seinen Blick: “Wollen Sie den Kaufvertrag wirklich so unterzeichnen?” Ja, ich wollte. Ohne zu zögern. Das sagte mir meine innere Stimme. Auch wenn ich Geld verlor, weil der andere Mensch, der da noch mit mir saß, es zu diesem Zeitpunkt nicht besser vermochte: gerecht zu teilen. Ich sah seine Unfähigkeit, seine Angst. Wovor auch immer. Sah sogar sein schlechtes Gewissen.

Und saß nun auf der Terrasse des kleinen Hotels “Eden Riviera” an der Zyklopenküste Siziliens, oberhalb des ehemaligen Fischerortes Aci Trezza. Am 11. Februar 2011

Eine so freundliche Frau brachte mir einen Cappuccino. Ich schaute in die Morgensonne. Schaute auf die Küste. Ich sah diese Steine im Meer. Sah diesen einen, den ich später in einem Gedicht den “Weisen Hüter der Küste” nennen sollte. Doch jetzt sah ich ihn zum ersten Mal. Und weinte. Weinte und weinte. Ein Mensch fragte mich, was sei. Ob es mir nicht gut ginge? Unter meinen Tränen lächelte ich aber. Ganz tief von unten stieg etwas auf. Das sah er vielleicht auch. Ich sagte mit sehr leiser Stimme:
Nein, ich bin sehr glücklich.

Ich weine vor unendlicher Schönheit.

Es ist kaum zu beschreiben und schon gar nicht zu analysieren, was mir geschah. Und das soll es auch nicht. Auszusprechen ist es nun schon. Mit der Poesie des Herzens, aus meiner Seele. Mein ganzes Alles und alles Ganze, dies Alles floss zusammen in dieser unendlichen Schönheit dieses großen einfachen Augenblicks.

Ich fühlte die Schönheit des Lebens.

Und fühlte tief befreiend und dankbar:
Sie war für mich da! Eine große Freude durchfloss mich.
Und die Schönheit war auch in mir.

Eine große Möglichkeit offenbarte sich mir.

27. Januar 2020, Berlin-Kladow · www.heidrunbomke.de

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Heidrun Adriana Bomke

Januartage

Elblichttor, Heidrun Adriana Bomke

An einem Januartag 2011, vielleicht war es der 22., ja, es könnte der 22. gewesen sein, traf ich eine Entscheidung. Keine unbedeutende. Vielleicht gibt es auch gar keine unbedeutenden Entscheidungen. Doch diese da, die vom 22.1.2011, war wohl bedeutsam. Man spricht auch über Entscheidungen von großer Tragweite. Ich entschied, als ich gelehnt an eine alte Hauswand in Hitzacker zu dem Haus schaute, in dem meine neue Wohnung hätte sein können, erst gar nicht hineinzugehen. Und auch nicht in eine andere Wohnung im Wendland. Ich entschied, keine Wohnung zu nehmen, als sich mein vorheriges Zuhause unwiederbringlich auflöste. Das entschied ich da, gelehnt an die Hauswand in einem Graunieselwetter, das mir sicher geholfen hat. Nein, sagte ich. Nein. Das fühlt sich nicht wahr an. Das trägt mich nicht, sagte etwas in mir. Und es fühlte sich gleichzeitig auch seltsam an. Wie ich da meine innere Stimme vernahm. Es irritierte mich – war ich verrückt, keine Wohnung nehmen? – und es war doch wahr. Ganz klar.
Falls ich mal ein Drehbuchscript schreibe, dann fange ich mit dieser Szene an: Eine Frau, Anfang 50, lehnt an einer Hauswand und trifft ganz still eine weittragende Entscheidung. Fühle ich in dieses Bild hinein, fließt ganz viel Kraft, wie selbstverständlich.

Ja, diese damalige Januar-Entscheidung von 2011 hat mich wahrhaft weit getragen!

Auf allen Ebenen. Bis zum Feuerberg Ätna auf Sizilien und bis tief in meine Schöpferkraft, die neu erwacht, als ich Anfang 50 bin.

Im Januar 2012 bin ich dann am Ätna. “Ankommen – Zwischen Ätna und Meer”, so heißt es in meinem Reisehörbuch “Übermut tut gut! Unterwegs in den Süden” für das Jahr 2012. Nur ein Jahr war vergangen. Von Januar zu Januar.

Was habe ich im Januar 2012 zu erzählen?

Von Vulkan, Orangen, einem Mann mit schönen Händen, dem so schönen Wetter, den stillen Ästen im kühlen Morgen … – hören Sie selbst!


Und dann gibt es noch viele Januare, immer wieder Januare. Den Januar 2015, da bin ich zeitweilig in einem Ferienhaus in Langendorf an der Elbe und träume von einem Vulkanausbruch – ganz viel Feuer! … und viele Januartage am sizilianischen Meer in 2016 und 2017.

Und nun hier, in Berlin-Kladow am 25. Januar 2020. Hier sitze ich in einem “Studio”, meinen jetzigen Dach über dem Kopf, schaue auf die Havel, die da irgendwo im Dunkel schleicht. Nicht weit weiß ich einen kleinen Hafen. Ich sitze an meinem Reiseschreibtisch und schreibe.

Und wo ich schreibe, da bin ich auch zuhause. In jedem Januar.

©Heidrun Adriana Bomke

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Vom Wunsch zu wirken – eine Berliner Straßenbetrachtung

Heidrun Adriana Bomke

Als ich heute den Kladower Damm in Berlin entlangging, da kam mir diese Wortgruppe in den Sinn:

Vom Wunsch zu wirken

Sie berührt mich. Berührt mich tief. So tief, dass mir bein Gehen an diesem frostelig-klaren Wintermorgen die Tränen kamen. Tränen der Wahrheit. Nicht ohne Grund.
Wie es manchmal im Leben so ist, sagt “jemand” in einem bestimmten Moment einen Satz, den wir schon lange kennen. Unsere innere Stimme hat ihn schon leise formuliert. Manchmal auch schon deutlicher. Mir kam er auch schon über die Lippen und nicht nur das. Doch dann rückt er in die Ferne, entfernt sich. Bis er sich wieder bemerkbar macht. Im Gegenüber, als Spiegelbild.

Die Ärztin vor mir sagte: Weiblichkeit ist auch anders gemeint. Ich glaube nicht, dass alle Frauen Kinder bekommen sollen. Es geht doch um dieses ganze Weibliche … viel mehr.
Ich sagte: Um das schöpferische Gebären, Kreieren, nicht?
Ja.

Und daraus wurde ein Gespräch und dann beim Spaziergang ein Gespräch mit mir selbst und der Satz:

Vom Wunsch zu wirken

Gebären, sich gebären, und Wirkenwollen gaben sich in meinem Geiste die Hand. Wirken als geistige Ausstrahlung. Für mich als Künstlerin ist es das Essentielle am Sein. Ja, es ist ein tiefer Wunsch, geistig zu wirken. Wirken, bewirken, Gewirke … ich schaue nach: Wirkware (gegenüber Strickware)/Herstellungstechniken … – das finde ich interessant. Masche für Masche, in einem industriellen Prozess … da sind wir wieder bei der Materie, dem Greifbaren.

Ich denke an meine Bücher.

Wirken sie? Schon, indem sie da sind, höre ich jemanden sagen. Ja??? Ich höre meiner Stimme zu. Ein Stück schwingt leise Trauer mit, wie ich da so gehe. Manchmal tun sie mir leid, meine Bücher. Meine Bücher in dem Meer von Millionen …? Amazon und co … da gehören sie nicht hin, meine Worte. Ist das nicht überheblich? Nein, ehrlich. Diese Worte im Milliardenmeer der Worte. Dieser Blog, diese Newsletter, diese diese diese? Wirkungslos? Ich weiß es nicht. Wirkungslos?

Aber geschöpft!

Das sagt mein Geist, das sagt auch der Weltengeist. Sie sind aus der Quelle geflossen. Sie mussten hinaus. Und müssen es. Es gibt eine Notwendigkeit. Das hat Kraft. Vielleicht ist die Wirkung nicht so wesentlich. Und trotzdem spüre ich einen leichten Schmerz.
Nein, es geht nicht vordergründig um Erfolg. Es geht um das Empfinden einer wirkenden Kraft. Ich spüre sie oft und ich spüre auch, dass es diese Kräfte in einer Welt voller Materie, vollgestopft mit Häusern, Autos, Dingen, Milliarden von Geldscheinen … nicht leicht haben. Poetische Worte, die wie ein Hauch sind, finden sie Einlass, Gehör? Lange schon beschäftigt mich das Thema. Ob in der Biografieforschung als “Gestaltwerdung”, ich forschte dazu ein Jahrzehnt, ob in meinen Geburtentexten, Poesien, ob in Büchern wie “Der Weg des Künstlers”, ob in anderen Künstlerbiografien.  Immer wieder ziehe ich meinen Hut vor Paula Modersohn-Becker mit ihrem Schöpferwillen.

Unbändig, wild, einmalig, unkonventionell. Und das schaffte nachhaltig Wirkung! Neues, bis dahin Nicht-Gemachtes – Avantgarde!

Ich denke an Joseph Beuys: Jeder Mensch ist ein Künstler. Das Bild der sozialen Plastik.
Der Mensch als Gedicht, das sehe ich oft. Als sich gestaltendes Wesen inmitten und mit anderen Wesen. Das schöne Wirken zwischen uns. Wirkt es wirklich ? Bevor ich weiter vor mich hin denke, lenkt mich ein kleiner Laden rechterhand ab. Da steht “Mini-Berliner”. Das wirkt auf mich und ich gehe hinein … und was sehe ich? Gewirke – Wirkwaren – Stoffe laden mich zur Begutachtung ein! Vielleicht muss ich einmal alles gründlich vergessen … ganz unbändig mich verwandeln … ist ja bald Fasching!

©Heidrun Adriana Bomke, 24.1.2020

 

Berliner Sommer 2019

Sacrower Sommer, Heidrun Adriana Bomke

Als der Sommer begann, da war ich in Berlin. Berlin-Wannsee.
Seltsam – wie kam ich plötzlich dahin – ich war doch gerade noch auf Sizilien?

Aber, warum auch nicht Berlin? Alle gehen dahin.
Warum nicht Wannsee? Ich lass das Fragen. Da gibt’s nichts zu sagen.
Endlich konnte ich hier singen: “Pack die Badehose ein …”
Und ich ging gleich ohne hinein! In den Wannsee und den Sacrower See.

Das Berlin-Potsdamer Sommersein legte sich ganz wohlig in Seele und Leib hinein.

Schiffchen fahren auf sieben Seen, Freundinnen, neue Menschen, alte Bäume und meine Söhne sehen ..

Und einmal, da war ich ganz allein – da sah ich in das “Herz der Erde” hinein:
Ich sah es nicht nur im Sacrower See fröhlich schlagen. Ich spürte den großen Lebenspuls schlagen. Schließ ich die Augen, dann kann ich es hören. Dieser Herzschlag, der wird mich führen.

Ich war einfach da, ganz und gar, im Berliner Sommer im 2019er Jahr!
Nun leb ich mich hier in den Herbst und so weiter hinein …

Wie lang das dauert? Wer weiß das schon?
Lebendigkeit ist mein wahrer Lohn.

© Heidrun Adriana Bomke · Lebensreisende Autorin mit Übermut  & Lebensreisebegleiterin · TERMINE

 

Betty

Leichtigkeit, Heidrun Adriana Bomke

Heidrun Adriana Bomke, nEUMOND IN sYRAKUSBetty

Der ICE fuhr pünktlich in Frankfurt am Main Flughafen ein. Ich stand mit meinem silbernen Riesenkoffer, den Rucksack aufgeschultert und einer braunen Umhängetasche über die linke Schulter am Bahnsteig 4. Wir schrieben den 8. Tag im neuen Jahr 2020.
Alles hineingepackt fand ich einen leeren Viererplatz mit Tisch und ließ mich in den Sitz plumpsen. Geschafft!
Das Abteil war mäßig gefüllt. Im Durchgang zwischen den Wagen bemerkte ich eine junge Frau, eine Afrikanerin, mit zwei Kindern. Ein Kind saß im Kinderwagen. Ein anderes hüpfte herum. Drumherum viel Gepäck. Eh ich mich versah, flitze das hüpfende Kind, das sich als strahlendes Mädchen mit Rosaballettröckchen und fröhlich großen Augen entpuppte, den Gang entlang. Sie fand es witzig, wie die Türen sich plötzlich öffneten, wie es zwischen den Wagen schwankte. Sie stand so sicher auf ihren kleinen festen, hüpfenden Beinen. Jeder Gedanke, sie könnte fallen, war völlig umsonst.

Ich lachte!
Und dieses Lachen war es wohl, das die kleine Tänzerin anzog. Plötzlich war sie bei mir. Sie schaute mir direkt in die Augen. Wir grinsten uns an und schon begann unser Spiel. Wir klopften mit den Fingern auf den Tisch, wir bauten Türme aus unseren Händen, wir malten irgendwas in die Luft. Wir schnalzten mit unseren Zungen. Ich begann zu singen. “Bimbimbim, die Eisenbahn … nehmen wir auch die … mit!” Wie heißt das Mädchen, fragte ich die Mama, die nun hinter uns saß und das Baby stillte. Betty. Also “… nehmen wir auch die Betty mit!” Das temperamentvolle kleine Hüpfwesen lachte. Die schwarzen, wilden Augen waren ein Meer von Fröhlichkeit. Ich spürte, dass sie mein Begrüßungsengel war. Ein Zeichen.

Rosa waren das Tüll-Kleidchen und die Strumpfhose. Manchmal nahm Betty beide Hände und warf das Röckchen kess nach oben. Ab und an rief die Mama nach dem Kind. Völlig ohne Sorge. Wohl um den Anstand zu wahren unter all den artigen Leuten im Abteil. Dann kam Betty gesaust und zog mich mit sich. Es ging zur Toilette. Sie musste unbedingt die Tür öffnen und die Hände waschen. Wie das Wasser so einfach lief! Diese Neugier auf alles. Dieses Staunen! Beim Hinaufheben merkte ich, dass sie gar nicht leicht war. Eher stämmig fühlte sich das an und ganz und gar hier.

Dann kam der Augenblick, wie sich Betty auf meinen Schoß setzte, die kleinen Arme um mich legte, ihren Kopf auf mein Herz plumpsen ließ und sofort einschlief. Als hätte ihr jemand ein Zeichen gegeben. “Weißt du wieviel Sternlein stehen”, so sang ich und “Ich geh mit meiner Laterne …”
Wir fuhren durch das Dunkel des späten Nachmittags. Die Mama sagte erstaunt: Betty schläft.
Ja, Betty schlief tief und fest an meinem Herzen. Meine Arme hielten das kleine Wesen ganz eingehüllt. Die Familie aus Eritrea wohnte in Leipzig. “Zwei Kinder in sechs Jahren”, sagte die junge Mama mit den vielen, schönen Haaren, während sie mit dem Papa telefonierte. Eine Sprache, die mir so fern und doch auch vertraut klang. Afrika. Ich war noch nie da.

Kurz vor Eisenach versuchte ich Betty zu wecken. Ihre Arme leicht zu lösen. Es war unmöglich. Ich rief nach der Mama. Die kleine Betty weinte schlaftrunken. Es tat mir leid. Ich hätte sie so gerne noch gehütet. Ich packte meine Sachen zusammen, nahm meinen großen Koffer und winkte vom Bahnsteig zum Zug mit der dreijährigen Betty, die weiter in die Januarnacht fuhr.

©Heidrun Adriana Bomke Heidrun Adriana Bomke · Lebensreiseblog

Sich die herzvolle Erlaubnis geben … !!!

Schreibreisen nach Sizilien

Als ich dieses Herz in Punta Secca am sizilianischen Meer Anfang Oktober 2019 mit meinen Fingern in den Sand malte,

immer wieder die Kurven formte, da war ich voller Wonne, Liebe, Freude! Ja, ich fühlte, dass alles gut war und ist. Ich hüpfte am und im Meer herum, ich zeichnete mit der Hand, ich legte mich in den warmen Sand hinein, ich lachte … ich war so präsent und strahlend glücklich! Mir erschienen diese Wochen am Meer wie ein Traum, wie eine Belohnung. Vielleicht ein großes Abschlussfest?

Mir wurde ganz klar:
Ich hatte und habe mir die Erlaubnis zu einer großen neuen Lebensreise gegeben!

Mit dem Unterwegssein, mit Italien, Sizilien, mit meinem Mut zum Eigenen! Seit 2011. Eigentlich seit 2004.

Eine völlig neue, freie und unkonventionelle Lebensform!
Eine Entdeckung, eine Heldenreise, eine Öffnung, eine Wandlung! Reisen, sich dem Moment hingeben, sich öffnen für das Schöne und Helle und schreiben und kreieren! Und genau so auch leben. Daraus schöpfen und davon leben. Es so weitergeben. Ich bin begeistert, dass es so ist und sein darf. In jedem Lebensmoment. Ob auf Sizilien oder bei meinen alten Eltern; ob während der Schreibreisen, bei den jungen Leuten in der Schule; ob einfach beim täglichen Tun, bei der Begegnung mit Menschen und Tieren … – es entsteht so viel Schönes und Menschliches daraus!

ICH LEBE SO GERNE!

Und das bringt Bewegung und Lebendigkeit. Denn das Leben trägt ja weiter. Ich lausche mir und ihm und frage mich, was es von mir möchte … es flüstert, manchmal schreit es auch, manchmal träumt es mir was zu … und hält mich in Bewegung.
Allein in diesem Jahr 2019 hatte ich mindestens acht unterschiedliche Wohnorte, wo ich länger war:
Über Mietshaus mit mediterranem Garten, Mietwohnung in Punta Secca, air-bnb (find ich toll), Bed&Breakfast, Mietwohnung in Rand-Berlin … bei Eltern und Freunden und Bekannten … – ich mag das, das gehört auch zu mir. Ich habe mir Tinyhäuser angeschaut. … Ja, ich habe auch sieben Mal Sachen bewegt. Das muss ich nicht jedes Jahr haben(!), doch Ordnung machen, Aufräumen, Klarheit mit den Sachen schaffen, das ist mir eine Tugend geworden. Immer weniger haben. Mit wenig Schönheit schaffen. Meine Schönheit. Ich habe neue Gegenden kennengelernt, Berlin-Kladow, Sacrow und sie erkundet. Eine weitere, zusätzliche freiberufliche Tätigkeit in einer Waldorschule begonnen (das war eine innere Stimme, die mir das sagte). Ich war in Parin und am Chiemsee, in Rosenheim, in Thüringen, Bremen, Lüneburg, Wendland … immer wieder auf Sizilien. Und das sind nicht nur äußere Orte.
Es sind mir meist auch Schreiborte. Orte der Kreativität. Der Präsenz.

Ja, ich entdecke unglaublich gerne und ich bin da auch sehr neugierig und leicht wie ein Schmetterling!

Auf meine Art. Zu Fuß, mit Bus oder Rad. Schwimmend. Mit der Bahn bin ich zweimal nach Sizilien in diesem Jahr. Nochmal den Weg bewusst wahrnehmen, die Landschaften, die die Menschen so formen. Den Brenner und Südtirol und immer wieder die Meeresenge von Messina, wo der Zug in den Bauch eines Schiffes fährt und auf Sizilien wieder heraus. Und mein Büro habe ich dabei, denn ich bin ja immer noch keine Millionärin (hahaha) und meine Angebote wachsen aus diesen Bewegungen und Begegnungen heraus. Ja, sie sortieren und verändern sich.
Wachsen heißt für mich: wahrhaftig zu sein. Was nicht mehr zu mir gehört, das fällt auch von sich aus weg oder strengt mich so an, dass ich es nicht wiederhole. Und langweilen darf es mich auch nicht …!

Freude, Begeisterung, Offenheit – das sind die tiefen, sprudelnden Quellen der Kreativität!
Genau das ist meine tolle, neue Erfahrung! 

Früher, vor 2009, hatte ich auch manchmal aus Not geschrieben. Der Antrieb war Entlastung. Das war auch okay. Doch frei machte es mich nicht. Es blieb irgendwie eng, fühlte sich vielleicht etwas weniger schwer an. Schreiben aus Seh nsucht heraus bekam dann später schon eine andere Qualität. Da ging langsam ein Samen auf, öffnete sich der Himmel. Vorsichtig, aber doch! Ich holte langsam Luft, ich schrieb von einer Nomadin, ohne es bewusst wahrzunehmen. Bis mich das Leben ganz heftig stuppste – ja, ich sehe es heute als Geschenk, dass ich mit 50 Jahren eine handfeste Trennungs-Krise erlebte – und dann mutig und mit Unterstützung das Offene, ganz Neue, ganz Ungewisse und damit das Liebevolle und Leichte und Friedvolle wählte und einfach losging.
Da hatte es nochmal ordentlich gekracht und
das Leben gab mir einen Ruck und ich mir die Erlaubnis loszugehen.
Meine Bücher geben poetisches Zeugnis.

Ich erlaube mir das Offene, die Freude, die Lebensbegeisterung. Ja! Ich brauche sie.

Ja, ich gebe mir das Versprechen und ich gab es mir schon einige Male. Ich bleibe mir treu! Wer einmal Schmetterling war und ist, der lässt sich nicht mehr einfangen. Auch wenn es immer wieder der Wandlungen bedarf. Ich “weiß” nun ungefähr, wie es sich wandelt und erfahre immer mehr davon.

Ich traue meiner Intuition.
Ja. Sie führt mich, meine Wahrheit zu leben und in die Wirklich keit zu geben.

Das ist die Auf-Gabe nun. Kraftvoll mit Worten berühren und die Menschen schreibend, reisend ins Offene und Freie und Kreative führen. Das ist mein “Kulturbeitrag”.
Ich schreibe hier viel von mir und mancher mag vielleicht sagen: “Man, nimmt die sich wichtig!”
Und ja, ich nehme mich wichtig, weil ich wie jedes Wesen auf diese Erde mit einer Bestimmung gekommen bin. Sinnvoll sein möchte. Meine Gabe erkennen und in das Große einspeisen möchte. Mein Licht nicht mehr unter den Scheffel stellen möchte. Mich noch mutiger und präsenter zeigen möchte mit

Heidrun Adriana Bomke · Lebensreiseblog

Und das habe ich mir versprochen und tue etwas dazu! Eine neue Ausbildung habe ich mir erlaubt (auch sie habe ich durch Intuition gefunden), die mich auf diesem meinen Weg begleitet von 2019 bis 2021. Meine Lehrerin ist Dr. Christina Kessler, eine Ethnologin, die seit 40 Jahren die Weisheitslehren der Ureinwohner erforscht und daraus wesentliche Erkenntnise für Theorie und Praxis unseres bewussten Lebens gefunden hat: den universellen Prozess der Lebensintelligenz. Ein großes Bewusstseinstraining mache ich bei ihr und wie beglückt mich das, mit Gleichgesinnten vereint zu sein!
“Dient es dem Leben? Was will das Leben von dir?”, so die Fragen. Das schließt natürlich auch ein, dass es zunächst mir selbst dient! Um Aufopfern geht es gar nicht. Aber darum, den Blick von innen nach außen zu richten und umgekehrt, wenn Entscheidungen zu treffen sind. Und das ist täglich!!!

Dieser eigene Weg, diese eigene Wahrheit ist das Schatzkästlein des Seins.

Und hier setze ich mal den Schlusspunkt für jetzt. Das wollte alles hinaus. Mein Schatzkästlein ist gut gefüllt. Randvoll. Liebevoll. Herzvoll.
Mein Schreibmotto habe ich gefunden:

Heidrun Adriana Bomke · Poesie des LebensDie beste Art zu schreiben ist mit den ureigenen Worten und diese fließen unmittelbar aus dem Herzen in die Hand!

So inspiriere ich Menschen, sich kreativ zu öffnen und sich an licht- und kraftvollen Orten noch mehr ins eigene Licht zu schreiben.

Ich inspiriere dazu und begleite dabei, sich die Erlaubnis zu geben (!), offener, freier und damit ureigen kreativer und menschlicher zu leben. Probieren Sie es doch einmal aus!
SCHREIBREISENHeidrun Adriana Bomke · Poesie des Lebens

Ich bin dankbar für all das Erlauben und die Lebendigkeit, die in mein Leben kam. Für das Spüren einer tiefen Lebensquelle, die für uns alle da ist: Eine große Lebensenergie! Hier, in meinem Geburtsort, sehe ich sie immer an einer Quelle, die neben einer großen Linde fließt, fließt, fließt … Das Leben hat viele Bilder, die uns den Weg weisen. Das Leben schenkt mir wirklich viel und ich möchte ihm noch viel Schönes geben.

Ja, ich erlaube es mir! In Berlin, Sizilien … wo auch immer mich das Leben hinführt!
Ich bin bereit. Ich bleibe mir treu.

Fambach, den 15. Janaur 2020, Dr. Heidrun Adriana Bomke, die Frau mit dem Übermut!

Sacrower Heilandskirche
Ein Baumherz schaute mich im Herbst 2019 an am Sacrower See.
Heidrun Adriana Bomke
Zwischen Vollmond und Sonnenaufgang ging ich am Meer in Punta Secca am 14.10.2019. Ein magischer Morgen.
Heidrun Adriana Bomke

Die Farben des Südens – Gedicht

Punta Secca

Die Farben des Südens

Eine Angel flattert gebogen im leichten Morgenwind
zum nimmermüden Wellenrauschen neigt sie sich hin.

Sonntag ist’s unter dem Leuchtturm in Punta Secca
wo ich bin.

Ich schaue hinaus in die Farben des Südens
hellblausmaragd mit hüpfend weißen Krönchen und dunkelblauen Tiefen.

Ein Tag zum Verlieben
Ich werd ihn genießen.

© 5. Januar 2020, Heidrun Adriana Bomke, Punta Secca, Sizilien

Zu den Farben des Südens, ins äußere und innere Licht, führen meine besonderen Schreibreisen nach Sizilien. Dass eigene Licht leuchten zu lassen.
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