Wie ich saß und weinte … ein Moment von größter Schönheit

Zyklopenküste in Aci Trezza, Heidrun adriana Bomke

Wie ich saß und weinte … ein Moment von größter Schönheit

Es war an einem Februarmorgen im Jahr 2011.
Vielleicht war es der 11. Ja, es könnte sein.

Am 8. Februar, drei Tage vorher, war ich in Dannenberg beim Notar gewesen. An einem nassgrauen Tag. Ein Haus zu verkaufen. Das Haus, in dem ich ein Familienleben verbracht. In dem ein Familienleben so, wie es einmal war, auch geendet. Die Zeiten wandeln sich. Die Menschen mit. Schulden werden getilgt sein. Verletzungen langsam heilen. Vergebung geschieht. Ich höre gerade noch einmal die Stimme des Notars, sehe seinen Blick: “Wollen Sie den Kaufvertrag wirklich so unterzeichnen?” Ja, ich wollte. Ohne zu zögern. Das sagte mir meine innere Stimme. Auch wenn ich Geld verlor, weil der andere Mensch, der da noch mit mir saß, es zu diesem Zeitpunkt nicht besser vermochte: gerecht zu teilen. Ich sah seine Unfähigkeit, seine Angst. Wovor auch immer. Sah sogar sein schlechtes Gewissen.

Und saß nun auf der Terrasse des kleinen Hotels “Eden Riviera” an der Zyklopenküste Siziliens, oberhalb des ehemaligen Fischerortes Aci Trezza. Am 11. Februar 2011

Eine so freundliche Frau brachte mir einen Cappuccino. Ich schaute in die Morgensonne. Schaute auf die Küste. Ich sah diese Steine im Meer. Sah diesen einen, den ich später in einem Gedicht den “Weisen Hüter der Küste” nennen sollte. Doch jetzt sah ich ihn zum ersten Mal. Und weinte. Weinte und weinte. Ein Mensch fragte mich, was sei. Ob es mir nicht gut ginge? Unter meinen Tränen lächelte ich aber. Ganz tief von unten stieg etwas auf. Das sah er vielleicht auch. Ich sagte mit sehr leiser Stimme:
Nein, ich bin sehr glücklich.

Ich weine vor unendlicher Schönheit.

Es ist kaum zu beschreiben und schon gar nicht zu analysieren, was mir geschah. Und das soll es auch nicht. Auszusprechen ist es nun schon. Mit der Poesie des Herzens, aus meiner Seele. Mein ganzes Alles und alles Ganze, dies Alles floss zusammen in dieser unendlichen Schönheit dieses großen einfachen Augenblicks.

Ich fühlte die Schönheit des Lebens.

Und fühlte tief befreiend und dankbar:
Sie war für mich da! Eine große Freude durchfloss mich.
Und die Schönheit war auch in mir.

Eine große Möglichkeit offenbarte sich mir.

27. Januar 2020, Berlin-Kladow · www.heidrunbomke.de

Poesie des Lebens-Lebendig schreiben
Heidrun Adriana Bomke

Die weißen Kühe von Fambach oder Von einem heiligen Moment

Heidrun Adriana Bomke_Lebensreiseblog

Die weißen Kühe von Fambach oder Von einem heiligen Moment
Fambach am 14. August 2019

Als ich heute mit dem Fahrrad am Nachmittag um 15 Uhr aus Fambach, meinem Geburtsort, Richtung Heßles fuhr – am Waldrand und an Wiesen entlang, da waren sie plötzlich wieder da: die weißen Kühe.
Ich staunte und mein Herz lachte vor Freude! Ich spürte das Besondere des Augenblicks.

Ich stieg vom Fahrrad und sah sie so friedlich gegenüber am Wiesenhang. Die weißen Flecken unter noch grünen Eichen und Ahorn, im so satten grünen Gras. Gerade liefen sie nach oben. Waren an der Tränke gewesen. Ja, da waren sie wieder, die Mutterkühe mit ihren Jungen. Und wie die Kälbchen gewachsen sind!

Ich freute mich so sehr über den Anblick, dass mir wieder die Tränen über die Wangen liefen.

Wann war es gewesen, dass ich sie bei meinen Fahrradausflügen im Frühsommer gesehen?

Wohl Ende Mai. Damals blühte der Ginster und alles war hellgrün.

Heidrun Adriana Bomke_Lebensreiseblog
Mai in Fambach

Schon damals war ich tief berührt von diesem friedlichen unerwarteten Anblick. Auch dass sie so weiß waren. Hier in Thüringen.  Damals war ich Zeuge des Geborenwerdens geworden. Die kleinen Kälbchen waren erst wenige Tage alt. Dicht bei ihren Müttern. Und eines war wohl gerade geboren.

Heidrun Adriana Bomke_Lebensreiseblog

Fast heilig erschien mir das Bild.

Ich weiß noch, wie ich auch einen kleinen Schreck bekam. Ich sah vom Weg aus, etwa 10 m entfernt, eine Kuh liegen und einen großen Blutfleck auch und etwas entfernt ein kleines Wesen. Beide unbewegt. Lebten sie? Die Herde war hundert Meter entfernt. Die Kuh hatte sich wohl zur Geburt abseits begeben. Am nächsten Tag fuhr ich damals wieder hin. Und welcher Anblick bot sich mir! Alle Kühe und Kälbchen lagen dicht beieinander. Der Geburtsfleck war schon von der Sonne getrocknet. Manche Kälbchen liefen schon freudig umher. Die Kühe leckten ihre Jungen ab. Ich mache viele Fotos.

Es war für mich ein Bild des gebärenden, natürlichen und beschützten Lebens.
Alles geschah mit einer Selbstverständlichkeit. Einfach so.

Darin liegt wohl das Wunder der Lebendigkeit.

Das sie ist. Sein darf. „Man“ sie gewähren lässt. Es braucht keine Erlaubnis. Keine Gedanken. Sie genügt sich selbst. Geschieht ohne Ansage. Lesen Sie mehr »

“Übermut tut gut” in Bremen!

Heidrun Adriana Bomke, Übermut tut gut! Hörbuch unterwegs in den Süden

“Übermut tut gut” in Bremen!

Ein besonderer Leseabend endete für mich am 4.4.19 um 22 Uhr in der Bremer Neustadt in der Buchhandlung Buntentor .

Die ehemalige Drogerie, die durch Sven Odens und sein Team seit zwei Jahren ein frischer Buchraum geworden ist, war gut gefüllt zur Frühlingslesung “Übermut tut gut!”. Wein, Bier und Wasser standen auch bereit und ich freute mich auf die Begegnungen mit den Menschen. Ernste Gesichter kamen herein, wie meist.

Was mag so ein Zuhörer denken? Vielleicht: Was erwartet mich da?

Ich schaue die Menschen an, die vor mir sitzen. Eine Frau sieht sehr traurig aus. Eine andere eher resigniert. Wieder eine andere sehr gefasst. Dazwischen ein älterer Herr mit lebendigen Augen. Sie lachen mich an. Die Distanz ist mit dem 1. Gedicht überwunden, das ich auf dem Fußweg zur Lesung geschrieben:

Silbergrauer Abend
Zwitschernd kühle Luft
In den knospenden Zweigen träumt schon
der Frühlingsduft.

Poesie ist Magie! Wie auch die Reisebeschreibungen in meinem Hörbuch: Authentisch und pur.

Unter dem freien Himmel in mir

So heißt es an einer Stelle meines Reisetagebuchs und Hörbuchs. Ich gebe dieses Sprachbild in die Runde. “Totale Öffnung”, so sagt der Herr mit den lachenden Augen und breitet die Arme aus. “Aufatmen”, so traut sich eine fein gekleidete Dame. Ja, davon erzählt mein Buch – vom Weg in die Freiheit, in den Augenblick des Atmens, des Seins. Von den Urelementen des Lebendigen!

mein Weg am Strand von Punta Secca

Ich bin sonst ein nüchterner Mensch

sagt eine Frau mit schöner Haartracht am Ende der Lesung – eher des Vortrags, der performance. Denn ich spreche frei, binde Gedichte und Hörbuchauszüge ein, Stille und Atem und auch die Zuhörerinnen. So verlebendigen sich die Ereignisse noch einmal.
“Ich bin sonst ein so nüchterner Mensch, doch mir kamen bei Ihrer Lesung die Tränen. Das ist sehr besonders für mich.”
Ich danke der Frau, dass sie darüber spricht. Von sich erzählt. Wir reden von äußeren und inneren Bewegungen. Vom Wachsen. Eine Frau spricht von ihrer Tochter, die bei Catania lebt. Für sie war der Abend eine Wiederbegegnung mit der wundervoll kraftvollen und lichten Insel.
Eine andere stimmt ein.
Und so kommen wir ins Gespräch über unsere Leben, unsere Erfahrungen und unsere Gefühle.

Zwischen Etna und Meer

Wie schön ist es sich zu fühlen?!

Berührung, nenne ich es. Berührung mit dem Herzen. Die Kruste fällt ab. Der Zensor, der uns auf unsere ratio reduziert. Die soll ja auch nicht abgeschafft werden. Verstand und Herz gehen Hand in Hand. Geist, Körper und Seele vereinen sich. Doch mir scheint, dass die Krusten über den Herzen fest sind. Schutz, Angst, Notwendigkeit? Ungewöhnlich ist es wohl oft sich vom Gefühl her als Mensch zu offenbaren. Doch da fragt mich der ältere Herr mit den lachenden Augen:

Darf ich Sie umarmen?

Die Frage kenne ich nur aus Italien. Da heißt es “Posso baciare?” – Darf ich küssen?
Dieser Mann umarmt mich fest und herzlich. Er teilt seine Gedanken:

“Es ist gut, dass Sie uns Ihre Erfahrungen erzählen und uns ermutigen, Übermut zu haben. Ich las den Titel und wusste, dass ich komme. Wie kenne ich die Umkehr: Übermut tut selten gut! Wissen Sie, ich bin so ein Hanseat, so gefasst. Vielleicht schaffe ich es nicht mehr, doch dieser Abend hat mir gutgetan.”

Und Herr K. gibt mir auch noch einen Kuss auf die rechte Wange. Ich erzähle ihm vom italienischen Brauch mit den beiden Küssen. Er sagt: “Nein, das kenne ich nicht.” Ja, klar, das ist zu viel des Guten!

Wie funktioniert solch eine Schreib-Reise mit Ihnen?

Das wollen einige wissen. Ich erzähle vom schreibenden Unterwegssein, von der Vielfalt des Entdeckens:

SIZILIEN UND SICH SELBST ENTDECKEN – DIE UREIGENEN WORTE UND LEBENSKRÄFTE WECKEN! (bitte klicken)

Und manchmal braucht es einfach den MUT, etwas Neues zu beginnen – es gibt immer den berühmten 1. Schritt! Eine AUSZEIT.
Damit fing es bei mir genau vor 8 Jahren an! Da landete ich am 5.4.11 52-Jährig in Catania und etwas ganz Offenes, Ungewisses, Abenteuerliches, Unsicheres, Wunder-volles, Gewandeltes … nahm seinen Lauf!

ÜBERMUT TUG GUT! – WANDLUNG WAGEN!

Ich kann es gar nicht genug sagen. Denn dann wirken die Kräfte der Liebe, der Schöpfung!
Und an diesem besonderen Begegnungsabend in der Buchhandlung “Buntentor” in Bremen, da passiert auch noch etwas Einzigartiges. Das Leben zeigt allen, wie gut es ist, Mut zur Veränderung zu haben. Sich ein Herz zu fassen. Dass es einem hilft, das Leben, wenn wir auf dem Pfad der Liebe sind, des Wachsens.

Schreiben am Meer

Unter den Gästen ist die sizilianische Hündin Neringa

Sie kam mit ihrer Familie, die um die Ecke in der Möckernstraße wohnt. Ich begrüße Sie berührt und von Herzen. Wir haben eine gemeinsame Geschichte. Neringa lief mir am 4.12.16 in den Ätnawiesen auf 1.500 m Höhe hinterher. Sie war winzig klein. Kaum 2 Monate. Ich nahm sie an, obwohl ich in diesem Augenblick gar nicht wusste, wie ich das machen sollte! Das Leben und liebe Menschen halfen mir. Über 2 Jahre hinweg. Wir lebten lange zusammen und dann reisten wir gemeinsam mit Schiff und Bahn von Punta Secca an der Südküste Siziliens in Etappen bis nach Bremen! Diese besondere Reise wird immer in meinem Lebensgepäck sein wie auch diese Wiederbegegnung. Denn im November 2018 spürte ich, dass es so nicht mehr geht: nicht für sie und nicht für mich. Und ich bat um Hilfe, schickte meinen Wunsch in den Himmel … – und uns wurde geholfen. Natürlich tat ich etwas dafür, doch wesentlich war der innere liebevolle Entschluss und Wunsch, Veränderung zuzulassen und in Liebe loszulassen!

Liebe wirkt in allem – öffnen wir ihr unsere Herzen!

Was führt meine Hand
Spuren wie feinkörniger Sand
Schreibt es sich ein
Aus dem Leben ins Leben hinein

Heidrun Adriana Bomke · Bremen am 6.4.19 · Heidrun Adriana Bomke · Poesie des Lebens

Neringa und Adriana
Hundeliebe
Wiederbegegnung

Berührung – das Herz öffnen

Berührung

Berührung

Tret ich in mein Zimmer ein
Spür ich einen hellen Schein
Lausche ich dem Herz ganz still
Was es mir nun sagen will.

Mein Gedicht von 2015 heißt “Berührung”.

Ich “kramte” es eben aus meinem poetischen Schatzkästlein hervor, als ich den Weihnachtsbrief von Gerald Hüther las. Das Wort Berührung fiel in mein Herz. “Es” berührt mich selbst. In “mein Zimmer eintreten” – bei mir, in meinem inneren Kämerchen ankommen. Da geschieht Berührung. Und ich kann diese Berührung in Worte verwandeln, in Bilder. Woher die Worte kommen, das ist auch ein Stück Mysterium, das ich für mich ergründe. Das ist mein Herzensweg, mein Herzstück – die Poesie, die berührt, einen Raum der stillen Verbundenheit schafft und anregt.

Berührung erleben

Mit Gedichten. Mit Poesie. Die Worte sprechen, flüstern, schreien, erschrecken, erzählen, leuchten, weinen, haben Sehnsucht, lieben, wachen auf, legen sich mit der Abendsonne zu Bett, tragen manchmal eine große Stille in sich; sie umarmen Bäume und legen sich auf die Erde, sie spüren den Atem der Erde  … – ja, sie haben in sich all diese Lebendigkeit und Weite des Lebens und so wohnen sie in mir, in uns, um uns herum und können berühren. Gedichte. Meine Gedichte.

Nähe

Im warmen Lächeln meiner Hat
Atmet der Duft der Liebe.

Ich gebe meine Gedichte auf den Weg zu euren und Ihren Herzen.

Manchmal sprechen Zuhörerinnen und Zuhörer von Magie, wenn sie meiner Lesung lauschen. Da passiert etwas zwischen uns und mit den Worten und Herzen. Berührung geschieht. Es ist wahrhaft einfach und doch lange nicht mehr so leicht. Manchmal schrecken Menschen auch vor mir und meinen Worten zurück. Als wären sie eine Gefahr. Vielleicht sind sie das auch in diesem Augenblick. Die Gefahr, sich selbst plötzlich wieder fühlen zu können. Der Panzer, das Korsett, das doch so fest gefügt und für immer halten soll, bekommt einen ganz kleinen Kratzer. Einen Riss. Es möchte aufspringen, vielleicht? Angst vor den eigenen Gefühlen. Bei meinen Schreibbegleitungen darf sie sich ganz leicht lösen.

Das Wagnis der Berührung mit sich selbst

Dieses tiefe Spüren im Innern. Das Herauskommen aus dem äußeren Rennen, den Räumen der Routine, dem Lebens-Muster, das vermeintlich Sicherheit und Struktur gibt; ein bisschen heraus aus dem, “was so sein muss”, was doch immer so war und so bleiben soll. Was Gewinn und Prestige verspricht oder was auch immer. Auch wenn darunter, wie unter etwas Eis und Schnee, der in der Frühlingssonne taut, ein kleines Pflänzchen gedeihen möchte. Doch wie wird es aussehen, riechen, was wird daraus? Also bitte, die Kruste muss besser bleiben. Auch wenn sie uns selbst ins Fleisch schneidet. Vielleicht ist es manchmal wie der Eissplitter im Herzen des kleinen Kai im Märchen von der Schneekönigin, die den Jungen mit ihrem kalten Kuss fast tötet. Er spürt es jedoch nicht. Unsere Kälte hat andere Namen: Hetze, Wachstum, Gewinn, Besitz, Konsum, die dunkle Gewalt der Medien … – jeder kann es für sich herausfinden. Manchmal wächst daraus eine kleine Kruste über dem Herzen, manchmal ein Korsett, manchmal ein richtiger Panzer, den man sich zugelegt, um alles darunter nicht spüren zu wollen, zu müssen. Oder um der sein zu können, der man meint, sein zu müssen. Für eine Zeit kann das so sein, doch irgendwann holen einen die Gefühle ein.

Sie gehören doch zu dir, zu mir, zu jedem: Unsere so wertvollen Gefühle. Die manchmal ganz leise Stimmen haben: “Hör mir zu, hör hin, liebe Adriana, lieber … ich möchte dir etwas sagen!”

Selbstschutz – Schutz vor sich selbst?

Und oft gebieten wir ihnen, bloß jetzt den Mund zu halten. Jetzt ist nicht der Moment und jetzt ist es nicht zu ertragen und unpassend. Denn da kommen Tränen und Schmerz steigt auf – wer will den schon aushalten, so alleine? Und was sollen denn die anderen Menschen sagen? Wir schützen uns vor uns selbst. Wie schade, fühle ich. Wie schön und berührend ist es doch für mich, wenn sich ein Mensch zeigt, wahrhaft zeigt, mit seinem Herzen und ich ihn wahrhaft fühlen kann. Auch mich selbst. Das ist oft schwer auszuhalten und doch macht es mich und uns dann leichter, offener, selbstvertrauter, ehrlicher, wen wir es zulassen.

Ich schätze meine Tränen. Sie sind der Regen meiner Seele. Sie lösen und öffnen mein Herz.

Als kleines Mädchen habe ich wohl viel bzw. sehr leicht geweint. Ich erinnere sehr gut den Satz:

“Du hast zu nah am Wasser gebaut. Sei nicht so empfindlich!”

Ich fühlte mich manchmal seltsam, alleine. Heute weiß ich, dass ich mich vorbereitet habe, alleine sein zu können und alles fühlen zu dürfen und auch auszuhalten, um mich selbst tief zu entdecken, zu erleben. Schon als Kind fand ich Worte, fanden mich die Worte und die Bilder, die mir Trost geben konnten. Da gab es das Christkind und die Birken, Lärchen, Buchen und Tannen, die mich grüßten; das Weizenfeld mit Kornblumen, Mohn; die Wiese mit Schlüsselblumen und Gänseblümchen und Eier-und Speckblumen; die Lupinen, die mir mit ihren lila Köpfchen zunickten; ich rieche ihn noch, den Duft der Erde an meinen Händen, wenn ich Kartoffeln erntete; das Heu mit seinem Duft und seinem Pieksen auch und die Hündin Blanca, mit der ich in die Hütte kroch und die Märchen, in denen ich mich wiederfinden konnte und das Lied “Vom Himmel hoch, da komm ich her” – eine Welt, die mir nahe kam, die mich irgendwie auch verstand. Sie hatte etwas mit meinen Gefühlen dazu. Heute sage ich: Ich fühlte Liebe mit all dem. Sie begleitet mich im Herzen, auch wenn ich den Orten entwachsen – sie ist da. Und manchmal komme ich an fremde Orte und sie wächst, diese Liebe.
Und ja, ich habe gelernt, meine Tränen sehr zu schätzen. Da sucht “etwas” einen Weg aus mir heraus. Ist geschmolzen wie Eis. Der Druck hinter dem Herzen weicht auf.
Tränen sind für mich der Regen der Seele.

Tränen fließen. Berührung geschieht. Mit sich selbst. Mit dem Regen der Seele.

Ich kenne es vom Schreiben mit Menschen. Manchmal fließen sie heraus wie ein großer Strom, manchmal kommen sie zaghaft, denn sie waren schon fast vertrocknet. Ausgetrocknet ein bisschen wie das Innere. Oder sie waren verschlossen in einem tiefen Brunnen, der sich öffnen darf. Wie im Märchen – Verwandlung beginnt.

Im zarten Morgenlicht
fließen Tränen über mein Gesicht
noch drückt mein Herz
noch fühl ich Schmerz
Im zarten Morgenlicht
fließen Tränen über mein Gesicht.

Juni 2017

Immer ist es der Beginn der Öffnung – sich berühren lassen und Gefühle zulassen.

erwachendes Lavaherz
Erwachendes Herz

Poesie & Fotografie
Heidrun Adriana Bomke · Poetessa und Lebensreisebegleiterin · Punta Secca, 25.12.18

 

 

Fernschreibkurs “Das Herz in die Hand nehmen” – Schreibbeispiele

„Das Herz in die Hand nehmen“ — Eine Schreib- und Lebensermutigung

Mein Fernschreibkurs “Das Herz in die Hand nehmen” ist ein Kurs zum Erwecken Ihrer Herzkraft.
Eine wahrhaft wesentliche Investition in sich selbst! Hier geht es um die tiefe liebevolle Verbindung mit Ihrem Inneren. Wenn das Herz die Hand führt, dann lasse ich alle Be-Denken, Absichten, Erwartungen, Wertungen, Gedanken, Bestrebungen los. Ich schreibe aus dem inneren Grund meines Seins; wo mich die Worte finden, wo ich ihnen begegne und sie mein Herz berühren, es öffnen und weiten. Wo sich Gefühle ausbreiten möchten.
Mit verschiedenen feinen Textformaten und meinen Fotografien gebe ich Impulse zum Herz-Schreiben.

Hier lesen Sie ein Beispiel. Im schreibenden Herz-Dialog mit Monika.
Folgen Sie hier der 1. Inspiration in der 1. Woche:

1. Inspiration: „HAND AUF’S HERZ!“
Für diese Schreibanregung brauchen Sie eine ruhige Stunde Zeit. Jeden Tag kann sie in dieser Woche wiederholt werden. Setzen Sie sich an einen Ihrer stillen Lieblingsorte: in Ihren Sessel, auf die Parkbank, an den Küchentisch … dahin, wo sie gerne sind und bei sich bleiben können.

Legen Sie Ihr Schreibbuch oder Blätter und Ihren Stift bereit. Machen Sie es sich wirklich gemütlich. Schließen Sie dann für einige Atemzüge die Augen. Atmen Sie tief ein und aus – wenn es geht, in den Bauch hinein. Legen Sie dann die rechte Hand ganz ruhig auf Ihr Herz. Atmen Sie zu Ihrem Herzen hin. Und bleiben Sie so eine schöne Weile sitzen. Vielleicht fühlen Sie die Ruhe, die aufsteigt? Oder das unruhige Hüpfen des Herzens? Oder Ihr Anstrengung? Egal. Alles ist gut. Tun Sie es bitte. Bitte lassen Sie sich Zeit mit dieser sanften Berührung. Sie werden spüren, wann es für Sie gut ist. Nehmen Sie nun Ihre Schreibutensilien und schreiben Sie bitte einfach los:
Was mein Herz meiner Hand (mir) erzählt …

Vielleicht erzählt es, dass es müde ist oder traurig oder gerade vor Freude hüpft, weil … oder dass es sich gefreut hat, berührt zu werden und Sehnsucht danach hat oder es erzählt einen Wunsch oder eine Kindheitsgeschichte oder von Bildern, die in ihm wohnen und heraus möchten – Lauschen Sie bitte und spüren Sie nach. Es ist schön, sich selbst zu spüren. Die oder den, die wir sind! Ehrlich, offen, liebevoll. Wir müssen niemandem gefallen und auch kein anderer sein.
Schreiben Sie bitte möglichst mindestens 20 Minuten.

Gerne auch länger. Danach gehen Sie ein bisschen spazieren, schauen aus dem Fenster, in den Himmel, Garten …
Monika schickte mir folgenden Text, den ich mit einer weiteren Anregung zurückgab per Mail:

lieben
verschmelzen
brechen
schmerzen
tanzen
lachen
verzagen
im Takt sein
hüpfen
rasen
aufgehen
flattern
sich verschließen
mitfühlen
aussetzen
sich verschenken
empfangen
verzeihen
sich ausdehnen
stolpern
mutig sein
beben
Ja, sagt das Herz, all das. Und immer wieder lieben.

Meine weitere Anregung an Monika:

1. Wenn Sie den Text laut lesen, für sich, welche Gefühle entstehen jetzt dabei? Was fühlen Sie? Schreiben Sie sie bitte hier als zusammenhängenden Text auf!

Monika schreibt:
“Wenn ich den Text laut lese, entsteht in mir ein Gefühl von Reichtum, der aus der Lebenserfahrung von ein paar Jahrzehnten gewachsen ist. Ich fühle Dankbarkeit und Weite. Ich habe auch ein Gefühl von Unausweichlichkeit, weil eben alles dazu gehört und „im Herzen sein“ nicht bedeutet, dass immer alles rosig ist. Ich mag dieses Gefühl von „es ist was es ist“, weil ich dann mit nichts hadern und an nichts herumzerren muss. Das bringt mich in diesen Moment und in Kontakt mit mir selbst und löst mich aus der Enge der Vorstellungen und Ideen, wie etwas zu sein hat.”

Nun, und so ging es weiter … über fünf Wochen.
Tief hinein ins ehrliche Herzschreiben. Ins Eigene. Mit sehr unterschiedlichen Textformaten und immer im Austausch verbunden mit mir.

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