Zum Beispiel Christa Wolf — literarisches Kalenderblatt

Heidrun Adriana Bomke-Hörbuch Übermut tut gut

Zum Beispiel Christa Wolf

Gestern, am 18.3., dachte ich einmal wieder an die Autorin Christa Wolf. Es war ihr Geburtstag – am 18.3.1929 ist sie in Wartenberg geboren – und irgendwie hat es sich mir tief eingeprägt, dieses Datum.
Mir, dem Thüringer Kind, dem Mädchen aus Ostdeutschland, der DDR-Frau- und späteren Literaturwissenschaftlerin, Biografieforscherin, heutigen Autorin und Lebensreisebegleiterin.
Ich habe meine literarische Sozialisierung genauso mit Christa Wolf erlebt wie mit Grimms Märchen und Tolstois Anna Karenina und Zolas Nana und Ditte Menschenkind und dem Meininger Theater und Tschingis Aitmatow … den Volksliedern meiner Vorfahren, den Weihnachtsliedern und den kleinen Gebeten am Abend, Goethes Osterspaziergang und Scholochows Menschenschicksal … – und eben sie.

Christa Wolf – Berührung

Ja, es berührt mich etwas im Innern, wenn ich an die Autorin denke, die ich auch persönlich kannte. Sie hatte eine Eigenschaft, die ich sehr schätze: Wahrhaftigkeit. Die Suche nach Authentizität in ihrem Schreiben – sie sprach von “subjektiver Authentizität”. Ein Jahrzehnt schon habe ich ihre Bücher nach Jahren der Vermittlung in Lehre und Forschung zur Seite gelegt, verschenkt …, doch ein paar sind noch in meiner Reisebibliothek. Letztmalig sprach ich zu ihr an der Universität von Catania (Sizilien) – es war im Juni 2012. Da war sie bereits ein halbes Jahr tot, die weltbekannte deutsche Schriftstellerin Christa Wolf.  Wer mag, schaue einmal auf meine Vortragstätigkeit. Manchmal braucht es Pausen. Auch das Vergessen. Neues nimmt Platz, so viel Südliches, Italienisches, Sizilianisches … – und ich spüre, dass auch sie nochmal und anders Platz nehmen wird in meinem eigenen Schreiben, das auch ein Erinnern einschließt. Ein Neu-Sehen.
Ich erinnere heute vor allem ein Buch, das mich sehr früh berührt hat:

Nachdenken über Christa T.

Eigentlich ein melancholisches Buch, wie viele ihrer Bücher, die sie im Balanceakt zwischen eigenen Erfahrungen und eigenem Erkennen sowie einer großen Utopie geschrieben hat.
Christa T. – da bläst eine junge Frau Trompete, findet ihren Ton. Entdeckt sich als einzeln, besonders – sie wird krank werden und sterben. Doch man vergisst sie nicht, wenn man das Buch einmal gelesen.
Ich war Studentin der Germansitik und Slawistik. Da klang etwas in mir an, das gesellschaftlich nicht verordnet war – dieses individuelle Lebensgefühl. Es gab im philosophischen Wörterbuch der DDR das Wort Individualität zu dem Zeitpunkt nicht. Da keimte etwas in mir auf … heute steht es in voller Blüte:

Das Eigene – Die Poesie des eigenen Lebens

Und ich entdeckte gestern beim Blättern in meinen eigenen vielen Texten, dass ich seit 2004 einen Text zu Christa Wolf geschrieben – eine Collage, wenn man so will – eine Textmontage aus vielen ihrer Bücher, aus eigenen Gedankenfetzen. Und ich habe sie sogar in Sizilien 2011 ergänzt und bin Christa Wolf in Gestalt einer Ausstellung vn Arbeiten der Künstler, die ihre Werke illustrierten oder Eigenes dazu schufen, dann 2015 im Tucholsky-Museum in Rheinsberg wieder begegnet. Unverhofft.
In Erinnerung blieb mir das Gefühl, dass Wolfs Bücher und diese Kunstwerke zu meiner Geschichte gehören. Sie beschweren mich nicht mehr – sie sind.
Und ich habe die Illusion der Vollendung abgelegt, dieses Große, Allwissende, auch Dominante, Bessere … – alle Utopien. Nein, danke!, das sage ich laut und deutlich.

Machen wir menschliche Entwürfe von uns selbst – wagen wir lebendig und friedvoll zu sein

Hier könnt ihr ihn lesen, meinen Text zu Christa Wolf (einfach klicken):

begreifen, dass wir ein entwurf sind – für christa wolf

Heidrun Adriana BomkeVon Herzen

Heidrun Adriana Bomke, die Frau mit dem

Wind im Haar

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Nächste LESUNG am 4.4., 20 Uhr in Bremen

 

Worte sind reife Granatäpfel. Eine Betrachtung

Hier lesen Sie das Vorwort zu meinem zweisprachigen Gedichtband
“Wo das Licht wohnt / Dove abita la luce”,
erschienen 2014 im Catanesischen Verlag Prova d’Autore.

„Worte sind reife Granatäpfel“ – diesen Vers der Dichterin Hilde Domin hatte ich im Gepäck, als ich am 5. April 2011 ohne Rückticket in den Süden flog. Und sie, die Gedichte als „magische Gebrauchsartikel“ bezeichnete, erschien mir in meinem ersten sizilianischen Traum, kam lachend auf mich zu.
Damals ahnte ich nur, dass ein „neues Leben“ in mir auftaucht. Ich spürte, dass „etwas“ unwiederbringlich zu Ende gegangen war. Ich spürte es mit Schmerz und gleichzeitig mit der Freude des Neubeginns. Ich war 52 Jahre, hatte bereits ein volles Leben gelebt. Ich las damals oft die Zeilen Hermann Hesses aus dem Gedicht „Stufen“: „Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise/ Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen“. Lesen Sie mehr »