Mein Leben in Poesie

Lesen und hören Sie hier MEIN LEBEN IN POESIE!

s t r ö m u n g e n

 

Der Text strömungen war vor 27 Jahren ein Beginnen – kam tief aus mir heraus. Ein Aufruf an eine Urkraft, lebendiger zu werden und den Strömen der inneren Welt zu lauschen, sie liebevoll zu nähren, um sie ins Fließen zu bringen, hinausfließen zu lassen … Ja, Gedichte, die von und aus meinem Leben sprechen. Ich darf es erleben, was Hilde Domin, meine poetische Vorgängerin und Begleiterin, schrieb:
“Gedichte wenden sich an die Unschuld eines jeden, an das Beste in ihm, an seine Freiheit, er selber zu sein.”

Poesie ist meine Begabung!

Meine Gabe. Mir gegeben. Meine Aufgabe.
Schaue ich auf mein Leben, dann ist es diese innere Spur des Schreibens, die mich intuitiv führt. Fein schwingend und auch geheimnisvoll. Nicht immer habe ich “verstanden”, was mir die Worte sagen wollen – sie kommen aus “einem anderen Grund” als jede wissenschaftliche Analyse. Sie sind fast “kopflos”, sie sind wild, elementar. Ich schrieb Poesie, Gedichte, deren “Sinn” ich erst Jahre später am eigenen Leib erfuhr. Die Poesie, die Schöpferkraft, hatte sie mir schon zugeflüstert!

Ja, zwei Seelen begegnen sich in meinem Leben: die Wissenschaftlerin und die Poetin.

Ich vertraue heute bewusst beiden Stimmen: der literaturwissenschaftlich-biografisch analytischen sowie der tief poetischen, der inneren Stimme, die Bilder und Worte empfängt aus einer tiefen Quelle. Nicht fassbar mit dem Verstand. Ich verbinde beides in meinen inspirierenden Angeboten.
Ich staune und verstehe: Das ist Schöpfung!

Gedichte sind mein kreativer Ausdruck. Sie verbinden mit der Lebendigkeit des Seins!

Sie sind meine tiefe Liebe zum Leben. Sind meine gelebte Spiritualität. Ich bin voller Dankbarkeit. Poesie des Lebens verlebendigt sich in meinen Gedichten.

Poesie ist wirklich meine Begabung. Genießen Sie den Duft der Poesie!

Lesen und hören Sie hinein in meinen poetischen Lebenslauf. Die natürlichen Elemente Wasser, Erde, Luft, Feuer inspirierten diese Auswahl. Aus diesen Kräften “kommen” die Gedichte.

am ufer

abendblaues himmelsdach
berandest honigfarbenes plätschern
treibst mich
hinab
an den strom
zwischen dunklen gesellen und sehnsüchtig flatternden
steh ich und ufer
den tag
— Wendland, Elbe 2004

land sehen

zuflüchten

v e r w a n d e l n

doch immer wieder
andere
fluchten
— 2008

gewischter himmel

— du
im surren der vogelschwingen
im blättrigen dach

bist du mir
nomadin

zelt
— Elbe, 2007
(Hier gibt es bei der Aufnahme am Ende 2 min Stille. Zum In-sich-Lauschen.)

mondschwimmerin

ahnbar
schwarzes licht
die rufe vom strand
gestalten verfliegen

komm komm komm
noch einmal
komm

leicht teilen sonnenarme
das mondwasser
— Kurische Nehrung, August 2009

wo ich bin

zwischen dem sonnenuntergang und dem vollen mond
zwischen den himmeln und dem meer
im gewitter
auf der erde
schritt für schritt ich
fliege
schwimme
gehe
ich küsse das licht
die sterne
die liebe
— 15.6. 2011, Klagenfurt bei Vollmond

Neumond in Siracusa

Ich bin mit dir.

Du drehst mich im türkisblauen Meer.

Wir tanzen wir tanzen wir tanzen …
Wir lachen wir lachen wir lachen …
Wir sind wie Kinder …

Hüllt uns der goldenen Mantel der Sommernacht
in das weiße Laken des Lebens

Jetzt und in Ewigkeit.

— 5. Juli 2011, Syrakus, Sizilien (zu hören in italienisch)

Erwachen

In der Schale der Nacht
Auf dem Rücken des Tages
Wenn Helios ruht im geflügelten Schoß

Erwacht das Licht
Mit Rosenfingern streift es mein Herz
Mit Rosenfingern streift es mein Herz.

— am Vulkan Ätna, 2012

 Reinigung

Das Meer
ein Tuch aus dunkelblauer Seide
schmiegt sich um meinen Leib
ein Wasserkleid
s p ü l t m i c h f o r t
wohin
zu mir.

–Aci Castello, Sizilien 12.10.12 (zu hören in italienisch)


Land

Ruhig ziehe ich dahin.
Die Spur im Meer verläuft sich …
Im Schaum der Wellen fährt mein Leben. Irgendwo ist Land
In mir der Anker wie das Licht des neuen Tages.

— auf dem Schiff von Catania nach Ravenna, 9. August 2014

Diese Gedichte finden Sie auch in meinen Büchern.

Und zum Abschluss ein großer Bogen meiner Erfahrungen mit einem Bild, das mir selbst ein “Erkennen” war: Das Haus meiner Erfahrungen:

Über-all
Das Haus meiner Erfahrungen

Wüstenstadt in den Wolken leuchtendes Weiß
Dort wohnen die Kamele
Gehen in der gleißenden Hitze

Ich fliege über dem Horizont
Sehe die hochgefalteten Steine des Nordens
Sehe dann die weiten Buchten des Meeres
Bebaut befestigt unter über dem dunklen Feuer

Die Motoren dröhnen in meinen Ohren
In mir solch eine Ruhe
Stille
Leise Freude. Worüber?
Einfach so

Da kommen sie die Inseln im Wasser
Oh, ich grüße euch!
Ischia, Capri, Procida – alle sind sie da
Da, wo ich lang schiffte und Pompeji sah mit Mitoreij

Ikarus
Ikarus
Flieg!
Ikarus flieg!
Flieg ohne Fesseln
Mach dich ganz frei!

Alles taucht in mir hoch
Phenicusa auch du
Perle unter Perlen
Alles wohnt auch in mir
Proserpina geht spazieren am Styxschen Ufer

Ich bin hier
Bin das lebendige Haus meiner Erfahrungen

Über-all

© Heidrun Adriana Bomke, 21.3.17, Flug nach Sizilien

Meereslesung in Punta Secca_Sizilien