Lied des Lebens

Gedicht,Heidrun Adriana Bomke

 

Lied des Lebens

Die ersten zarten Vogellaute
früh ganz früh
noch aus dem Dunkel

Ein letztes Nachtlied noch

und schon erster Morgengruß

Von fern vernehmbar auch

der Ruf des Käuzchens

Ein Gleichklang nicht

und doch ein Chor

Das nimmermüde alte
junge
Lied des Lebens


Das Lied des Lebens wahrnehmen, finden, es scheibend berühren, seine Melodie zu spüren – ich lade mit meinen besonderen Schreibreisen dazu ein, ein fühlender, verbundener Mensch des Geistes zu sein!

 TERMINE

© Heidrun Adriana Bomke mit Frohen, lebendigen Pfingstgrüßen!

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“Mut zum Aufbruch” – Interview mit Susanne Buckel

Wandlung wagen _ Heidrun Adriana Bomke

“Mut zum Aufbruch” – Susanne Buckler führt ein Interview mit mir

Im April interviewte mich Susanne Buckler, Gründerin von “Happy go Lucky” & Coach für Kreative, zum Thema Aufbruch, Wandel, Neubeginn … Dazu habe ich viele Erfahrungen und sicher sind sie gerade in der jetzigen Zeit, wo viele müde werden von so wenig Entfaltungsmöglichkeiten und Distanz … eine Inspiration, den Mut nicht zu verlieren, sich zu spüren und das Bestmögliche zu tun, um sich gut zu fühlen!

Hier könnt ihr das sehr lebendige und wahrhaftige Interview hören.  Danke und viel Freude allen beim Anhören!

M U T   Z U M   A U F B R U C H 

In meinen BÜCHERN kann man blättern oder hinein hören und sie bei mir bestellen!

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Vanilleeis oder “Papa, die Tante lacht!”

Lebensfreude, Blog,Heidrun Adriana Bomke

Vanilleeis oder “Papa, die Tante lacht!”

Alles kam so:
Ich fuhr gestern, am letzten Apriltag 2021, wieder zu Dörte Averdunk in die Föhrer Straße, um ein heilendes Öldispersionsbad zu nehmen. Ein anthroposophisches Heilbad. Ich hatte kurz entschlossen endlich die Krankenkasse gewechselt und kann nun diese feinstofflichen Behandlungen genießen. Es war nicht mein 1. Bad. Diese Bäder haben mir über den langen Winter geholfen. So ging die Reise mit Bus und Ringbahn bis zum Westhafen und dann zu Fuß und direkt in die Praxis von Dörte. Nach unserem Gespräch hielt mir die Heilpraktikerin ein Riechfläschchen unter die Nase. Ein mögliches Öl für das Bad in der Zirbelholzwanne. Oh, das duftete ganz voll und süß und fast wie Weihnachten!

Vanille!

Ich genoss das Vanillebad und während ich so in der Nachruhe schlummerte, kam mir die Sehnsucht nach Vanilleeis! Oh, wie gerne ein Vanilleeis mit heißen Himbeeren. Hmmmm … ich erzählte Dörte meine Fantasie und sie sagte: “Du, gleich die erste Querstraße rechts ist ein toller Eisladen.” Und dann sagte sie, so nebenbei: “Wer weiß, wen du heute noch triffst!”
Ich verließ wie eine Vanillewolke die Praxis, ging nach rechts und auf der linken Seite fand sich wirklich der kleine Laden – geöffnet! Ich trat ein und bestellte ein Vanilleeis mit heißen Himbeeren (selbst zubereitet) auf einer hausgebackenen Waffel! Mein Traum ging wie selbstverständlich in Erfüllung:

Vanilleeis!

Die junge Verkäuferin sagte: “Ich bringe es Ihnen raus.”
Ich schaute sie voller Erstaunen an, denn diesen Satz hatte ich lange nicht gehört. Ich sollte bedient werden ! und nicht “bedient sein” von all den geschlossenen schönen kleinen Cafès. Also hinaus aus dem Winzigladen, der so viel Wundervolles hatte … Davor gab es eine schmale Bank an der Hauswand. Da setzte ich mich hin und atmete tief durch. Nach fünf Minuten kam die duftende Waffel nebst Hinbeeren und Eis zu mir.: “Bitte!”

Wow, es war göttlich süß und eben vanillig!

Da saß ich nun und es kamen Leute aus dem Kiez. Eltern mit Kindern. Auch ein großer Papa mit einem kleinen Jungen. Vielleicht gerade drei Jahre. Der Papa fragte: “Möchtest du ein Mangoeis?” Der Kleine wollte unbedingt wissen, wo das stand: Mango. Und der Papa zeigte auf die Tafel und buchstabierte:
M A N G O. Ich erinnerte mich, wie mein älterer Sohn genau so die Buchstaben gelernt hatte. So beim Eisessen oder im KONSUM oder beim Fleischer … Ich lächelte so in mich hinein, genoss mein dolci, sah die beiden mit Eis kommen und da hörte ich plötzlich die Stimme des Jungen:

“Papa, die Tante lacht!”

“Ja”, sagte der Papa schmunzelnd: “Die Dame freut sich!” Und da lachten wir uns alle an, als sei es ein Weltwunder, dieses Lachen! Und vielleicht ist es das ja gerade auch! Dieses Kerlchen begann mit mir zu schäkern – es war unglaublich schön! Wir lachten uns an, wir zogen Grimassen, wir winkten uns zu … seine dunklen Augen funkelten so voller Freude! Noch als ich ging und Tschüss sagte, winkte er mir nach und auch der große Papa lachte weiter …
Nach langer Fahrt wieder zuhause angekommen – leicht und froh – wurde mir klar, dass es dieser kleine Junge war, dem ich begegnen sollte. Lebensfreude pur!
Und so entstand am 1. Mai 2021 die Episode:

Vanilleeis oder “Papa, die Tante lacht!”

© Eure Heidrun Adriana Bomke, die beschwingte Dichterin und Lebensreisebegleiterin

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“Lied des Lebens” · Gedicht

Heidrun Adriana Bomke,Lied des Lebens

Aus dem Aufwachen mitgebracht – das “Lied des Lebens”,
ein neues Gedicht.

Lied des Lebens

Die ersten zarten Vogellaute
früh ganz früh noch aus dem Dunkel

Ein letztes Nachtlied noch
und schon ein erster Morgengruß

Von fern vernehmbar auch
der Ruf des Käuzchens

Ein Gleichklang nicht
und doch ein Chor

Das unermüdlich alte
junge Lied des Lebens.

29. April 2021, am Rande Berlins

© Heidrun Adriana Bomke

SCHREIBANREGUNG
Lauscht heute einmal den “Lauten des Lebens”. Sammelt eure Wahrnehmungen in Wörtern: Was klingt und singt und ruft und … berührt euer Herz?  Vielleicht formt sich so von selbst auch ein Gedicht: Dein Lied des Lebens!

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Plötzlich … vielleicht ein Anfang?

Frühing_Anfang_Heidrun Adriana Bomke_Kladow

P l ö t z l i c h

… vielleicht ein Anfang?

Die ersten Veilchen pflanzen auf dem Balkon
sie lange lieb betrachten und
dem lustigen Lied der Morgengäste lächelnd lauschen

Alle Samen
die weitgereisten
Plötzlich aus den Koffern packen
als hätten sie es eilig

Gemeinsam mit ihnen warten
warten auf die wärmende Erde
Hoffnungsfroh sie dann hineinlegen
wie in ein träumendes Frühlingsbett

Vielleicht

genau das

Plötzlich

der Anfang!

© Heidrun Adriana Bomke · 10. April 2021, Breitehornweg Berlin


Liebe Leserin und lieber Leser,

ich möchte diesem Gedicht “Plötzlich … vielleicht ein Anfang”, heute Morgen frisch geboren und jetzt in die Welt geschickt, einen kleinen Kommentar mitgeben.
Jede und jeder von euch liest es auf seine Weise, bleibt an diesem oder vielleicht jenem Wortbild hängen oder hat eine Situation vor Augen, wird von einem Gefühl berührt – oder auch nicht -, spürt “etwas”. Was wohl?

Ich erfahre es meist nicht. Und das macht auch nichts. “Gedichte sind magische Gebrauchsartikel”, sagte meine liebe Vorgängerin Hilde Domin, deren Magie sich vor allem bei und durch den Leser entfaltet. Sie sind “zweckfrei” wie Liebe. “Es” geschieht einfach. Und das ist das ganz Wunderbare! Diese Worte geschehen auch mir einfach so! Oft im Betrachten, in einer schwebenden Aufmerksamkeit, die wenig mit dem funktionierenden Alltagsbewusstsein zu tun hat.

Heute möchte ich es einmal kurz beschreiben, wie es zu mir kam, das Gedicht.
Beim Aufwachen, ich schaute auf meinen Balkon, sah ich zuerst die kleinen Veilchen in den Kästen und spürte etwas ganz Zartes, Liebevolles, das mehr war als nur eine augenblickliche, kleine Freude. Ganz in der Tiefe kam das Wort-Gefühl “Anfang”. Waren/sind diese vor kurzem eingepflanzten Veilchen ein Seelenbild des Anfangs für mich? Des Anfangens hier in dieser kleinen Wohnung, meiner ersten nach zehn Jahren in Deutschland überhaupt wieder? Ein poetisches Zeichen des Beginnens in/an diesem Fleckchen Berliner Erde, des Ankommens in Deutschland wieder nach so vielen Jahren in meinem geliebten Sizilien und unterwegs? Zehn Jahre sind vergangen und die kleinen Veilchen und die Vögel und die Samen, die mir wirklich aus meinem Reisegepäck zufielen, angesammelt da und dort und nie ausgesät, sprechen sie mir aus dem Herzen, sanft, vorsichtig, doch plötzlich wahrnehmbar?

Das berührte mein Herz und ließ die weiteren Worte fließen … Die Magie der Poesie … Ich lausche …
“Plötzlich – vielleicht ein Anfang?”

Und vielleicht, wenn die Worte zu dir, zu euch kommen, lauscht ihr ihnen auch einmal nach.
Sie sind voller Zauber und sie sind Heimat, können das “Haus unserer Erfahrungen” sein. Es ist wahrhaft tief wohltuend und verbindend, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Viel Freude!

Eure Heidrun Adriana

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Scham oder Die letzte Behausung

Scham, Heidrun Adriana Bomke

Scham oder Die letzte Behausung

Heute, am Karfreitag, möchten die Worte hinaus. Sie haben sich in mir angesammelt. Eins nach dem anderen. Beiläufig. Ungeordnet. Hoffend. Erschrocken.
Am Ende steht Scham.

Es war einer der kalten Februartage, als ich durch den lichten Wald vom Breitehornweg bis nach  Havelhöhe am südwestlichen Rande Berlins ging. Das tat ich gerne. Meist an der Havel entlang. Da war der Weg gesperrt und nun ging ich durch den Winterwald. Alte Bäume. Gehölz. Weiche, weiße Pfade. Kurz bevor ich nach rechts auf den schmalen Asphaltweg ging, sah ich auf dem Hügel zwischen Bäumen ein Zelt. Ich wunderte mich und erschrak zugleich. War es vergessen? So sah es nicht aus. Ich dachte an die Frau, die hier seit Monaten durch die Gegend ging, wohl obdachlos. Vor ihr ängstigte ich mich, da sie aggressiv war. Immer in einer anderen Welt voller Verbrechen und Anklage an uns alle. Was war ihr geschehen? Wohnte sie vielleicht dort? Manchmal erschien sie mir wie eine Warnung. Wovor?

Ich ging meiner Wege. Wenige Tage später hörte ich die Rufe von Kranichen aus der klirrenden Kälte. Ich fuhr zusammen. Was machten sie hier? Ihre Rufe klangen jämmerlich. Hilferufe? Ich betete für sie und dachte beiläufig wieder an das Zelt. Suchte dort etwa auch jemand eine Überwinterung? Eine Behausung? Mein Herz mochte es nicht glauben. Nicht glauben auch, dass ich Kraniche gehört. Diese wunderbaren Geschöpfe in diesem Frost!

Dann kam der Tag, als ich am Zelt eine Gestalt sah. Ich spazierte in der späten Morgensonne durch die glitzernde Welt und da sah ich eine mit vielen Sachen bedeckte Gestalt. Den runden Rücken. Ihr Blick war in das Innere des Zeltes gerichtet. Es war wohl ein Mann. War er gekommen, um jemanden abzuholen? Es war mir, als sei das, was ich sah, außerhalb der Zeit. Zwar in diesem Wald und doch nicht von hier. Mir schien, als hätte ich zu diesem Geschehen  keinen Zugang. Meine Ahnungen kamen zu dem Schluss, dass dieser Mann wohl die Rettung war. Für wen auch immer. Aber doch die Rettung. Ich wollte es so. Es war meine Hoffnung.

Bis ich an irgendeinem späten Februarnachmittag, ich hatte in Kladow eingekauft, zur Bushaltestelle ging. Da standen ein paar Leute und in dem Bushäuschen saß jemand. Saß da, als wolle er nicht gesehen werden. Der Kopf nach unten. Alles an ihm war dunkel. Verloren. Nicht von hier. Doch er saß da. Ich sah hin. Die Kapuze seines Pullovers über den Kopf gezogen. Die braune Jogginghose war an beiden Seiten bis über die Kniee aufgerissen. Das sah ich, als er wie ich in den Bus einstieg. Ganz hinten. Er drückte sich in den Sitz. Seine Maske war erdbraun. Schmutzig.

Ich begriff augenblicklich: Das war der Mann aus dem Zelt! Er war es. Nur er konnte es sein. Nein, er war keine Rettung gewesen. Er brauchte Rettung. Ich stieg zwei Stationen später aus. Ich schämte mich. Schämte mich für das Leben. Schämte mich für mich selbst. Ich hatte nicht gefragt, ob er Hilfe brauche. Nichts. Gar nichts. Nur mein Mitgefühl war da. Ich hoffte für den Menschen. Hoffe.

Und noch einmal sollte ich seinem Schicksal begegnen. Wieder war ich zu Fuß unterwegs. Es war nun Mitte März. Ich ging zur Corona-Ambulanz auf dem Gelände der Havelhöher Klinik. Trat durch das Tor des unteren, hinteren Eingangs. Vom Wäldchen her. Und da sah ich es am Wegrand! Das Zelt! Wieder erschrak ich. Trat näher. Da war kein Mensch mehr. Es beruhigte mich. Da lagen ein paar vergessene Sachen, die wohl niemand mehr brauchte. Der Wind musste diese letzte Behausung umhergetrieben haben. Vom Hügel hierher. Da liegt sie nun am Wegrand wie ein für immer gestrandetes Wrack.

Es bleibt die Scham.

© 2. April 2021 · Heidrun Adriana Bomke

 

 

LESUNG & LYRA – WILL DIR DEN FRÜHLING ZEIGEN !

LESUNG UND LYRA, 22.3.21, 19 UHR

 

Frühlingslesung_Heidrun Adriana Bomke · HerzpoesieMontag, 22. MÄRZ 2021, 19-19.40 Uhr – WELTTAG DER POESIE
WILL DIR DEN FRÜHLING ZEIGEN!
Lesung & Lyra mit Heidrun Adriana Bomke und Kateryna Korobova

ZOOMLINK

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Mein feuriges Leben am Vulkan Ätna, 1. Teil

Ätnaausbruch April 2013_Heidrun Adriana Bomke

Mein feuriges Leben am Vulkan Ätna

Wie sagte heute meine Freundin Petra, die ich während meiner langen und sehr ungewöhnlichen Lebenszeit am Ätna von 2011-2017 kennenlernte: “Sie raucht aus vier Schloten! Das ist ein seltenes Schauspiel!” Petra wohnt seit drei Jahrzehnten unterhalb des Ätna. Dort trafen wir uns Ende 2011.

Ja, alle vier Hauptkrater des Vulkans Ätna auf Sizilien sind derzeit aktiv!

Und ich denke voller Freude, Ehrfurcht und Hingabe an diese so besondere, so kraftvolle Zeit, direkt unterhalb des Ätna Süd. Ganz im Weiten, direkt an der Lava, am Feuer des Vulkans, auf 1.400 m Höhe! Hier erzähle ich mit einer Episode aus meinem Hörbuch “Übermut tut gut” und Fotos davon.

“Der Ätna explodiert!”
Wie ich seine Ausbrüche 2013 erlebte.

Urfeuer des Ätna_Heidrun Adriana Bomke
Urfeuer des Ätna
Heidrun Adriana Bomke am Ätna
Ätnaausbruch April 2011
Ätnaausbruch, Heidrun Adriana Bomke
Ätnauasbruch am 011019
Adriana Bomke
Ätna-Heidrun Adriana Bomke
Maga Ätna

 

Ätnaausbruch und Knospen,Heidrun Adriana Bomke
Ätnaausbruch und Frühlingsknospen
Ätnaausbruch_Giardini Naxos
Von Giardini Naxos aus, wo einst- und erstmals die Griechen im 8. Jahrhundert vor Christus ankamen, da sah ich ihr zu, der Zauberin Ätna, am 1.10.19.
Heidrun Adriana Bomke

Heidrun Adriana Bomke, 5. März 2021 · Berlin

DER GEBURTSTAG – Eine Liebesgeschichte

Liebesgeschichte zum Valentinstag, Heidrun Adriana Bomke

Der Geburtstag

Heute vor 125 Jahren ist meine Tante Therese geboren. Am 12. Februar 1896.
Sie wäre heute unendlich alt. Und das ist sie für mich. Denn sie ist da.

Wie darf ich mir das vorstellen, die Geburt meiner lieben Tante? Zum ersten Mal stelle ich mir diese Frage. Dieses kleine Wesen kommt an einem sicher kalten Wintertag zur Welt. In Fambach unter dem Famberg. Wohl in diesem Haus, wo auch ich geboren und davor mein Vater. Ein Geburtshaus auch.

Wer war damals dabei, als meine Tante Therese das Licht der Welt erblickte? Gab es eine Hebamme? Wie hieß eigentlich meine Uroma, die Mama meiner Tante Therese? Ich erinnere den Namen gerade nicht. Sehe nur das Familienfoto. Ein Foto, das wohl alle in dieser Zeit irgendwann aufnahmen. Ernste und strenge Eltern in steifen Kleidern. Junge Frauen mit den langen Kleidern und Schürzen und glatt nach hinten gekämmten Haaren. Das kenne ich noch. Kleine verängstigte Knaben. Letztens habe ich es mit meiner Mama gemeinsam von der Wand genommen, das drückende Bild.
Wer  begleitete damals, im kalten Februar, meine Uroma und das kleine Wesen, das den Namen Therese erhielt? War es eine ruhige Geburt? Wurde sie damas in die Arme genommen, die winzige Therese? War sie willkommen von der Mutter, die so viele Kinder gebar? Vor ihr waren Liesette, Marie, Friedrich, danach Otto und und und.

Nirgendwo Antwort.

Plötzlich antwortet mir mein Herz.

Ich fühle dich, meine Tante Therese. Meine liebe Tante.
Nie sah ich dich als kleines Wesen. Heute, an diesem 12. Februar 2021 sehe ich dich liegen, gerade geboren. Mit schwarzen Haaren. Du liegst alleine. Auf einem Nachttisch. Neben einem Bett. In einem weißen steifen Kleidchen. Deine Mutter kann ich nicht sehen. Still bist du. Alleine. Du kleine, du liebe Tante Therese. Ich nehme dich in meine Arme. Ich drücke dich an mein Herz. Ganz zart. Ganz lange.

Still warst du immer für mich da.

Ich spüre in meinem Herzen so viel Liebe für das kleine Mädchen Therese, für meine alte Tante.
So viel Liebe für dich. So viel dankbare Liebe für deine Liebe, die du mir gabst. Mir, dem kleinen Mädchen Heiderune. Sagtest du so zu mir? Oder war es die Tante Marie? Ich mochte es, wie ihr mich rieft. Mochte es, wenn du neben mir saßt am hölzernen Küchentisch und deinen Malzkaffee mit eingeweichtem Brot gegessen hast. Denn dann, irgendwann, warst du fast zahnlos. Lange schon, bevor du auf mich gewartet, am 11. Mai 1979, um zu sterben. Gewartet auf deine Heiderune, die plötzlich in der Ferne, wo du nie warst, etwas tat, von dem du nichts wusstest. Gewartet die ganze Woche, dass endlich Freitag ist und sie kommt, Deine Heiderune. Ich trat an dein Bett. Du schautest mich an. Ich nahm deine Hand. Dann schliefst du ruhig hinweg und wachst doch noch weiter still und sorgsam über mich.

Und ich weiß, dass du mich heute hörst, meine liebe Tante Therese.
Mein Schutzengel.
Heute, am 12. Februar 2021.

Hörst, wie ich sage: Meine liebe Tante Therese. Heute werde ich dich den ganzen Tag in meinem Herzen spazierentragen. So wie du mich ernst und sorgsam im Hockmantel trugst vor 62 Jahren. Ich werde mit dir lachen, weinen, mit dir hüpfen an diesem kalten, sonnigen Februartag an der Havel.

Haben wir uns vorher, haben wir uns später je umarmt?

Ich erinnere mich nicht. Und doch fühle ich mich geborgen. Du warst immer da. Du hast neben mir gesessen, wenn ich krank war. Ernst und sorgsam. Du lagst in dem alten, großen, tiefen Holzbett in deinem Zimmer und ich in einem anderen modernen Bett neben dir. Ich schaute deinem Altwerden zu. Du schautest zu, wenn ich auf Zehenspitzen und hüpfend durch dein Zimmer schwebte. In deinem Zimmer stand mein erster schwerer Schreibtisch. Da trug ich schon die Miniröcke, von denen du mit unerwartetem Humor sagtest, ich solle nicht darauf treten, sonst würden sie zerreißen.

Und immer im rechten Moment gingst du zu deinem alten schönen Kleiderschrank und holtest aus der Tiefe die Pepsinweinflasche mit den zwei Schnapsgläschen. So haben wir beide das Leben gemeinsam gut verdaut.

Meine liebe Tante Therese.
Deine Heiderune

Berlin-Kladow an der Havel, 12.2.21

Vielleicht möchten auch Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser, für einen Ihnen lieben Menschen eine Liebesgeschichte, eine Erinnerung, einen Liebesbrief schreiben? Morgen ist Valentinstag. Vielleicht kommt Ihnen ein Bild in den Sinn, eine Begegnung, eine Geste, ein Augenblick. Tun Sie es einfach!
Die beste Art zu schreiben ist mit den ureigenen Worten und diese fließen unmittelbar aus dem Herzen in die Hand.

GEBEN SIE IHRER LIEBE SCHREIBEND AUSDRUCK.
SO KOMMT SIE WUNDERVOLL IN DIE WELT!

zum Valentinstag© Ihre Heidrun Adriana Bomke

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Ihr edlen Bäume | Poesie

Baumgedichte,Heidrun Adriana Bomke

Bäume.

Sie begleiten mich seit frühesten Kindertagen, die Bäume.
Die alte mystische Linde im Lampertsborn am Bornhäuschen und an der noch heute sprudelnden Quelle. Die Tannenbäume, die das kleine Mädchen Weihnachtsbäume nannte. Die Buchen, die zu Gruppen standen, wenn es durch den Wald ging, hin zum Ausflugslokal “Ehrental”. Die Lärchen, die seltsamerweise ihre Nadeln verloren. Die so hellen, schlanken, jungen Birkenbäume am Famberg, wo die Familie ein Stück Land hatte. Die starken Eichbäume, die ihr Laub so lange festhalten. Alles Kindheitsgesellen.
Mit den Jahren des Schreibens begegneten mir immer wieder und immer bewusster die alten Weggesellen. Die Bäume.

Meine poetischen Gespräche mit den Bäumen begannen.

Ich lehnte mich an sie. Kroch in ihren offenen Stamm, um ihnen zu lauschen. Ich bestaunte sie im Frühling, wie im letzten Jahr die Weiden mit ihren so gelbgrünen Kleidern. Ich liebte es, unter ihrem Dach Schatten zu finden. Ich schaue gerade sehr gerne durch die leeren Äste in den Winterhimmel. Ich danke ihnen für den raschelnden Blätterteppich im Herbst. Ulmen schrieb ich zu und Eschen, dem Weltenbaum. Die Linden mit ihren Herzblättern liegen mir am Herzen. Ich verneige mich vor ihnen und lüfte meinen Wanderhut.

Die Bäume sind mir Wegbegleiter. Sie geben mir Stille, Vertrauen, Kraft, Weite, Verwandlungslust & Weltatem!

Heute, während eines langen, stillen Waldspaziergangs in Fambach, meinem Geburtsort, kamen mir beim Betrachten und Verbinden mit den Eichen, Buchen, Tannen. Fichten, Linden poetische Worte, die ich den Bäumen widme. Ich habe sie ihnen schon im Wald gesagt, an unterschiedlichen Orten.

So kennen und erkennen sie mich, die Bäume. Sie flüstern sich nun den Titel des Gedichts zu, das ich ihnen gewidmet und freuen sich daran: Ihr edlen Bäume

Ihr edlen Bäume

An Euren Wurzeln wohne ich
Mit Euren Kronen wachse ich

Ihr edlen Bäume

Zwischen Erde und Himmel
Bin ich ein Wesen wie ihr

Ihr edlen Bäume.

Fambach in Südthüringen, 3. Februar 2021

Heidrun Adriana Bomke
Dichterin, Literaturwissenschaftlerin, Lebensreisebegleiterin

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