3. Advent in Lüneburg

Herz

„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden. Gott hat die Menschen lieb.“ (Lukasevangelium)

3. Advent 2017 in Lüneburg

Gegen 17 Uhr gehe ich aus der kleinen Gasse im Wasserviertel, wo mein schönes gemütliches „Lüneburg-Zuhause-Zimmer“ in Richtung Marktplatz. Das Gefühl, den Adventsabend zu beschauen. Zu lauschen in diese Zeit hier.

Klarer Abend. Sterne. Ich höre von weitem die Posaunenklänge. Die Blechbläser. Sie stehen auf der Treppe des Rathauses. Eine große Kapelle. Ich stelle mich sofort dazu. Ich Musikantentochter. Und nicht nur das. Ich lausche in den Advent mit diesen Klängen. Um mich herum Familien, ältere Ehepaare, junge Leute. „White Christmas“. Mein Herz lächelt. Schön, wenn sich Menschen versammeln, musizieren, singen. Einfach so. Wie es hier vor dem Weihnachtsmarkt geschieht.

Leuchten in den Gesichtern. Eine Frau moderiert. Erzählt, dass der Komponist mit dem Namen Berlin keine Noten lesen konnte – er konnte spielen und ein anderer schrieb die Noten auf. Und er sagte: „Das ist das beste Lied, was ich je geschrieben und es wird die bestverkaufte Single werden.“
Selbstvertrauen mangelte ihm nicht, sagt die Moderatorin.

Ich fühle: Klasse, dass er das so hatte und sich vertraute!

Und so kam es.
Die Sehnsucht nach einer weißen Weihnacht ist in uns. Das Weiße macht weich. Leuchtet. Lässt auch uns leuchten. Leicht sind sie auch, die Schneeflocken … zauberhaft. Engelsgleich.

Und dann singen wir alle zusammen oder wenigstens manche:

„O du fröhliche …“

Ja, die gnadenbringende Zeit. Gnade, welch schönes Wort. Wohlwollen, göttliche Gnade.

Gnade. Grazia.

Mir kommen wieder die Tränen von tief unten. Das geschieht immer in diesen Momenten der Berührung und Verbundenheit.

Ich freue mich. Gehe weiter. Stehe an einer der Vitrinen mit den Märchen. Neben mir eine Mutter mit einem kleinen Mädchen. Sie hält es lieb an den Schultern. „Rotkäppchen“: Was hast du für große Ohren … Was hast du für einen großen Mund??? … Und am Ende ist alles gut. Ja, das brauchen wir doch: Das ist gut ausgeht.

Komme zur Johanniskirche in Lüneburg, wo es Turmmusik gibt.

Ich stehe wieder zwischen Menschen und empfinde dieses Schöne, Weiche. Die Gesichter verlieren jegliche Anspannung, jegliche Hast. Frieden. Vor der Kirche der kleine Weihnachtsmarkt. Neben GlühweinGlühweinGlühwein auch eine Tafel mit der Weihnachtsgeschichte. Ich lese aus dem Lukasevangelium:

„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden. Gott hat die Menschen lieb.“

Wie schön ist denn das, fühle ich. Gott hat die Menschen lieb.

Ich fühle mich geborgen unter dem großen Himmel. Ich lächle. Das sichere Zeichen, dass ich da bin, wo ich bin.

Gestern Abend kam ich aus Sizilien in Hamburg an. Fuhr mit der Bahn nach Lüneburg.
Die Menschenmassen unterwegs. Was suchen die alle hier?, so dachte ich. Und ich fühlte: Sie suchen Liebe! Irgendwas, was sich so anfühlt wie Liebe! Die Pommes, der Glühwein, die Bierflaschen … irgendeine Geborgenheit. Ich hatte plötzlich so ein Mitgefühl mit allem. Auch wenn ich betrunkene, Bier trinkende Männer zum Teufel nicht ausstehen kann! Nein, gar nicht. Sie torkelten in Lüneburg über den Bahnsteig, konnten nicht mehr gerade gehen. Und ich spürte: Sie suchen Liebe! Ja.

Und dann steht da mein Sohn, den ich lange und fest umarme. Wie schön. Wir gehen durch die Stadt. Der Fluss. Die Brücke. Ich mag Städte mit Flüssen. Wo ich doch am Meer bin.

O, das Meer von Caucana und Punta Secca mit dem Leuchtturm.
Ich habe es verabschiedet am – wann war das gleich? – am 14.12.17. Nochmal hinein in das Element des Lebens. Ja, es hat mich benetzt und immer reinigt es.

Und jetzt in Lüneburg. Anders als noch vor einem Jahr. Ganz anders als vor sechs Jahren.
O mein Gott. Ja. Ich möchte noch so viel Schönes geben!

„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden. Gott hat die Menschen lieb.“